Alles bleibt beim Alten

Etwa 25% aller Fischarten verbringen ihr Leben in einem Schwarm.
Dieses Verhalten hat eine Reihe Vorteile: Z. B. trifft ein Schwarm intelligentere Entscheidungen als Solisten. In einem Versuch wurden einzelne Fische an eine Wassergabelung geführt. Der eine Weg führte direkt zum Feind, beim anderen war „freie Fahrt“.
45% der Fische entschieden sich für den Tod. Ganz anders im Schwarm:
Über 90% der Schwärme wählten die richtige Route.
Ein echter Schwarm hat ein soziales Verhalten. Jeder ist wichtiger Bestandteil des Ganzen. Was der einzelne übersieht, beobachtet der andere.


So geht Optimierung.


Wie bisher, nur anders

Versetzt man allerdings einen Schwarm in fremdes Gewässer, verändert sich sein Verhalten grundsätzlich: Die Fische schwimmen im Kreis, drehen sich im Kreis, treten quasi auf der Stelle. Keiner will sich exponieren, jeder folgt stupide seinem Vordermann, sucht hinter dem anderen Schutz. Dumm nur, dass in diesem Radius auch die Beute schnell gevespert ist.


Angsthasen, Feiglinge oder doch Verdrängungskünstler?

Genauso ist es in der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.
Viele Unternehmen sind verängstigt, vorsichtig, jeder versteckt sich hinter dem anderen, eine Entscheidung braucht 17 Unterschriften oder mehrere Monate, bis sie getroffen ist. Jede Kleinigkeit braucht 10 Alternativen oder Vergleichsangebote und endlose Meetings im großen Sitzungssaal, bevor sie entscheidungfähig ist. Wichtig ist ordnungsgemäßes Verhalten. So kann mir keiner was.


Im Kreis drehen ist der neue Rückwärtsgang

Das sind die Kreisschwimmer – sie kommen regelmäßig an der gleichen Stelle vorbei, feilen an der gleichen Ecke und stellen sich dieselben Fragen. Neues kann es dabei nicht geben. Das wäre zu riskant für die ängstliche Truppe. Der Blick ist nur auf den Vordermann und den Wettbewerb gerichtet. Es handelt sich hier um die Optimierer. Die Produkte werden vorsichtig verbessert und variiert. Ich beobachte, dass sich diese Unternehmen trotzdem für innovativ halten, denn sie haben stillschweigend die Optimierung zur Innovation erklärt. Ich nenne das die „Optimierungsinnovation“. Die Verdrängungskünstler nennen es Produkte für ihren „konservativen Markt“.


Wasch´ mich, aber mach mich nicht nass

Optimierer erkennt man daran, dass sie alles wollen und nicht bereit sind, die damit verbundenen Anstrengungen und Risiken auf sich zu nehmen. Sie wollen nicht den Preis der Ungewissheit und Angreifbarkeit bezahlen. Sie verstecken sich hinter ihrem Kunden, der Veränderungen in jedem Fall ablehnen wird und nicht honoriert. So lautet zumindest die felsenfeste Überzeugung.

 


So geht Vorwärtsbewegung.


Die Löwen der Industrie

Dann gibt es zum Glück auch vereinzelt die echten Innovatoren und Champions. Sie sind ideenreich, erfinden neu, gehen Risiken ein, nehmen ein Scheitern in Kauf und übernehmen Verantwortung. Sie stellen die Ressourcen zur Verfügung und nehmen auch Geld in die Hand. Sie wissen, dass große Schritte auch große Anstrengungen fordern, dass Fehler ein fester Bestandteil des Prozesses sind. Sie haben verstanden, dass sie das gesteckte Ziel nur mit den besten Leuten erreichen können. Diese Unternehmen sind in Vorwärtsbewegung. Das sind die echten Champions.
Ich habe sie kennengelernt aus unseren Projekten im Industrial Design, wenn wir gemeinsam um Erfolg fighten.
Und ich entdecke täglich immer wieder Vorwärtsdenker und Vorwärtsmacher beim Gedankenaustausch mit den Treibern, Machern und Vorausdenkern, wenn wir gemeinsam über den Weg nach vorn nachdenken.

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Design Tech

www.designtech.eu

Keine Kommentare

Senden Sie einen Kommentar.