America First



Vor Jahrhunderten hatten die Orte Ober- und Untereisesheim einen Streit über Eigentumsrechte an Zwetschgenbäumen. Beide haben Besitzanspruch erhoben. In der Nacht machten sich die Bewohner meines Heimatortes auf den Weg und haben die Früchte geerntet. Die Untereisesheimer bekamen Wind davon und revanchierten sich, in dem sie sich in die fein säuberlich unter den Bäumen abgestellten Schuhe entleerten. Von nun an waren die einen die „Zwetschgenmärtle“ und die anderen die „Schlappenscheißer“. Bis in die heutige Zeit hat sich die Rivalität fortgesetzt, obwohl sicher keiner der ursprünglichen Übeltäter am immer noch anhaltenden Streit beteiligt sein kann.


Es geht immer nur um Zwetschgen


Das Problem

Der andere nimmt sich etwas, was mir gehört. Dabei gibt es oft unterschiedliche Ansichten oder eine Unschärfe der Besitzverhältnisse. Der Treiber dieser alten Zwistigkeiten ist die Angst. Manchmal vielleicht sogar die nackte Existenzangst. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass die Zwetschgen zu den Grundnahrungsmitteln gehörten und eine Hungersnot verhindern konnten.

 

Die anderen sind im Unrecht

Wenn es im Kleinen zu Auseinandersetzungen kommt, wie wir das oft schon im Microsystem der Familien- und Erbstreitigkeiten erleben, oder zwischen Industrial Designer und Ingenieuren bei der Entwicklung eines neuen Maschinendesigns. Wenn wir schon im Kleinen scheitern, warum wundern wir uns über Misstrauen, Vorurteile und Kollisionen zwischen Nationen? Aus seinem Angst- und Denksystem heraus ist jeder im Recht. Das erleben wir täglich auch auf der Autobahn und bei der Parkplatzsuche.
Vor wenigen Tagen habe ich gehört, dass beide Gemeinden, Ober- und Untereisesheim, das 1.250-jährige Bestehen der Gemeinden gemeinsam feiern wollen. Ich weiß nicht, was diese Menschen zur Einsicht gebracht hat. In jedem Fall zeigt das Beispiel, dass diese zwischenmenschliche Distanz überwunden werden kann.

 

Es geht immer um Öl

Jetzt können Sie sagen, dass es oft um mehr als nur um Zwetschgen geht, zum Beispiel auch um Ölfelder, da kann man sich den Egoismus und die Eigenmächtigkeit anderer nicht gefallen lassen. Ich weiß, die „Bösen“ sind die anderen und mein korrektes Verhalten bringt uns bei einseitiger Anwendung auch nicht weiter. Frieden braucht die Bemühung aller Beteiligten.

 

Gemeinsam sind wir stärker

Ich bin überzeugt, dass wir im Rahmen der Globalisierung lernen müssen, nicht nur mit unserem Ehepartner, sondern auch mit entfernteren Nationen und Kulturen klar zu kommen. Den Klimawandel können wir alleine auch nicht verhindern. Das braucht Gemeinsamkeit und die Verantwortlichkeit des Einzelnen. Aber auch in der Wirtschaft und Gesellschaft wachsen wir zusammen und sind definitiv gemeinsam stärker, wenn wir die oft selbstgemachten Hindernisse überwinden.

 

Der Torjubel

Eine Fußballmannschaft ist oft multikulturell und dennoch funktioniert das Zusammenspiel nur in enger Zusammenarbeit und gegenseitigen Verständnis. Wenn Sie genau hinschauen sehen Sie, dass es nichts Schöneres gibt, als gemeinsam zu gewinnen, gemeinsam eine großartige Idee zu verfolgen. Auch wenn ein Einzelner das entscheidende Tor schießt oder die entscheidende Idee hatte. Entstanden ist sie dennoch im Zusammenspiel mit anderen.

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Design Tech

www.designtech.eu

2 Kommentare
  • Armin Bucher
    Veröffentlicht um 12:08h, 20 April Antworten

    Hallo Herr Schmid,

    ein super Betrag voll aus dem Leben gegriffen.
    Weiter so bitte – ich lese Ihre Beiträge immer wieder mit Begeisterung.

    Armin Bucher

    • Jürgen R. Schmid
      Veröffentlicht um 13:55h, 24 April Antworten

      Hallo Herr Bucher,

      vielen Dank. Ich freu mich sehr, dass sie meine Essays verfolgen.

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