Die Flugbahn zum strahlenden Stern



Fast jeder hat schon einen extremen Härtefall überstanden. Da gibt es die einen Menschen, die das alles mit sich selbst ausmachen. Aber auch die anderen, die darüber sprechen wollen. Zu dieser Gruppe gehöre ich selbst. Durch Reden kann ich mich besser aus einem Tief befreien. Wer aber ist der richtige Gesprächspartner, wem will ich mich anvertrauen? Wer kann mit meinem Geheimnis gut umgehen? Bei einem meiner letzten krassen Fälle habe ich eine großartige Beobachtung gemacht.


Höchstes Vertrauen

Die richtig guten, allerbesten Freunde haben echtes Interesse an meinem Wohlergehen und haben viel Geduld, hören sich die gleiche Geschichte mehrfach an. Sie haben nur ein Ziel: mich zu stärken. Sie haben echtes Interesse, dass meine Kräfte zurückkehren und ich mich wieder auf Zukunftsprojekte konzentrieren kann.

Etwas Vertrauen

Dann gibt es die guten Freunde. Sie hören mich einmal oder zweimal an, fragen mich danach höflich nach meinem Wohlergehen und sind mit einem „gut“ zufrieden. Ich spüre, dass ihr Interesse an meinem Problem erschöpft ist.

Begrenztes Vertrauen

Die dritte Gruppe von Menschen, die mir nahe stehen, haben an meiner Geschichte nur solange Interesse, bis ihre Neugierde befriedigt ist, danach sind sie nur genervt und meiden meine Gegenwart, bis ich mein kritische Phase überwunden habe.

Kalkuliertes Vertrauen

Die vierte Gruppe von Menschen sind keine Freunde, es handelt sich um Bekannte. Diese Menschen sollte man definitiv nicht einbeziehen. Sie geben meiner Geschichte ihre persönliche Färbung und erzählen dann ihre Interpretation weiter, bei der ich oft nicht gut wegkomme. Sie nutzen ihr Wissen, um mich und meinen Ruf ganz subtil und oft unbeabsichtigt zu schwächen. Der Unterton vermittelt die schädliche Botschaft.

Fehlendes Selbstvertrauen

In schwierigen Zeiten will uns der Zweifel beherrschen. Ein ständiges Hin und Her, wiederkäuen derselben Sache, sich im Kreis drehen. Grübeln – das bringt nicht weiter und belastet jede Beziehung, sei sie noch so gut. Fragen wir uns mal selbst. Wie geht es uns, wenn wir dieselbe Story immer und immer wieder hören und dabei keine Fortschritte sehen. Der entscheidende Fortschritt kommt nach der persönlichen Reflektion. Dabei helfen geordnete Gespräche.

Bezahltes Vertrauen

Was ist nun der richtige Weg im Bewältigen von persönlichen Härtefällen?
Ich habe gute Erfahrungen gemacht, mein Problem für einen sehr begrenzten Zeitraum einem bezahlten Profi anzuvertrauen, der mich anhört, mir kritische Fragen stellt, der mich mit seiner Erfahrung aus der Sackgasse begleitet. Er behält alles für sich und danach wird die Akte gelöscht.

Freunde sind wie Grundmauern

Selbstverständlich beziehe ich die besten Freunde und den engsten Familienkreis mit ein, ohne sie dabei in die Verantwortung zu nehmen und damit zu belasten.
Ich möchte sie eindeutig von meinem Problem entlasten, sie sollen keine Verpflichtung spüren, mich aus der Krise zu führen. Das ist meine Angelegenheit. Alleine die vertraute Gegenwart spendet mir Energie, die ich jetzt ganz besonders brauche.

Selbstverantwortung führt aus jeder Krise

Die eigene Reflektion, gefördert durch professionelle Unterstützung und die Hilfe des engsten Kreises bringt mich weiter. Dabei beobachte ich auch, dass in einer kritischen Phase es besonders schwer ist, Entscheidungen zu treffen. Es herrscht die innere Unruhe. Der schöpferische Geist ist irritiert. Dennoch sind für ein Vorankommen Entscheidungen besonders wichtig. Ohne klare Entscheidungen gibt es keine Entwicklung. Ich selbst treffe in Zeiten der gefühlten Instabilität nur Entscheidungen für den nächsten Schritt. Alles andere muss warten, bis meine Entscheidungssicherheit in vollem Umfang zurückgekehrt ist.

Der strahlende Stern

Ist der Härtefall überwunden, ist nicht nur der Druck gewichen und die Sache ist vorbei, sondern meine Persönlichkeit ist gewachsen. Mein Bewusstsein ist gestärkt, dass ich schwierige Probleme lösen kann. Das führt zu einem erhöhten Selbstwertgefühl und befähigt mich, noch größere Herausforderungen anzupacken.

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Design Tech

www.designtech.eu

1Kommentar
  • Erich-Norbert Detroy
    Veröffentlicht um 07:31h, 18 Mai Antworten

    Lieber Jürgen,

    genau diese Gedanken, Deine Gedanken, habe ich gestern einem jungen END-Schützling, der mal Trainer werden will, anvertraut. Er setzte auf das falsche Pferd (= Vertragspartner) und fiel von heute auf morgen in ein tiefes Loch.

    Der Altersunterschied zwischen ihm und mir ist gewaltig, nach Deiner heutigen Lektüre bin ich stolz zu dem zu gehören, der sein höchstes Vertrauen hat.

    Übrigens, zum Thema, dass man durch Reden aus dem Tief kommen kann, lies mal Heinrich von Kleist „Über die allmähliche Verformung der Gedanken beim Reden“.

    Jürgen, großen Erfolg!
    Erich

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