Ein Prototyp, den wir nicht in Serie bauen sollten

Karl-Theodor zu Guttenberg macht es Ihnen und mir vor: Die Doktorarbeit ist ein Plagiat. Er meldet sich punktgenau und medienstark mit seiner Meinung und sagt uns, was er von Trump hält und wo er das Problem der deutschen Unternehmen sieht. Zuletzt kritisierte er die Kanzlerin. Das Gesagte ist geistreich formuliert und für jedermann nachvollziehbar.


Wir brauchen mehr Frontmänner/-frauen

 

Gestaltungsarmut

Danach wissen Sie, was Sie schon zuvor wussten und was in der Öffentlichkeit vielfach gesagt wurde. Das Gesagte hat bereits zuvor breite Zustimmung erhalten. Es ist nicht provokativ und auch nicht eigenständig. Es bildet lediglich die Meinung der breiten Öffentlichkeit ab.
Das Risiko, dass er damit aneckt, ist gleich null – die Chance der Zustimmung enorm. Warum ist er dennoch so beliebt und viele Deutsche wünschen sich, dass er in die Politik zurückkehrt? Das Denkmuster ist einfach und leicht durchschaubar: „ Alter Wein in neuen Schläuchen“. So erzeugt man Beliebtheit. Beim genaueren Hinschauen und Hinhören stelle ich da allerdings fest: Guttenberg ist schlicht nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen.
Auf keinen Fall aktiv in die Politik zurückkehren. Das sollen andere machen. „Mich braucht wirklich keiner mehr in der politischen Landschaft.“

 

Kritik

Klar ist: Wer selbst denkt, das Gedachte auch sagt, das Gesagte auch selbst tut und dann mit den Ergebnissen seines Handelns auch in Verbindung gebracht, gelobt und getadelt und zur Verantwortung gezogen wird, der ist ein Politiker, wie ich ihn mir vorstelle. Es ist einfach, im Nachhinein die Flüchtlingspolitik zu kritisieren, wenn die Folgen für jeden offensichtlich sind, wenn jeder lange darüber nachdenken konnte, wenn auch ich heute weiß, was falsch gelaufen ist.

 

Verantwortung

In unserer komplexen Welt ist oft Handeln angesagt, ohne dass wir alle Einflussfaktoren kennen und einschätzen können. Politik ist kein Computerspiel, wo man folgenlos alles zurückdrehen kann. Jeder Politiker der sich selbst in den Mittelpunkt stellt gefährdet damit nicht nur seine Partei, sondern sogar die nachfolgenden Generationen.
Die Politik ist ungeeignet, ihr Ego zur Schau zu tragen, denn in letzter Konsequenz trifft es den Bürger und die Gestaltungsarmut hat oft genug weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen. Es geht um uns und unsere Zukunft, deshalb gehe ich zur Wahl.

 

Risiko

Auch Unternehmer sind häufig in der Situation, dass sie handeln müssen, ohne in der ganzen Breite die Konsequenzen bewerten zu können. Nicht weil sie leichtfertig sind, sondern weil sie wissen, dass für ewiges Debattieren keine Zeit ist. Weil sie wissen, dass oft Experimente angesagt sind, um herauszufinden, welche Schritte zum Erfolg führen.
Dennoch handeln sie und riskieren, dass sie sich korrigieren müssen, setzen damit ihr Ansehen und ihr eigenes Geld aufs Spiel. Haben schlaflose Nächte und halten ihre Angst im Zaum. Diese Kraft kennen wir alle, die mitten im Leben stehen und nicht nur für uns selbst Verantwortung tragen dürfen.

 

Konsequenzen

In der Politik, der Wirtschaft und Gesellschaft brauchen wir Gestalter, keine Kritiker, die nach Amerika flüchten, wenn es eng wird. Zumindest sollten es Kritiker sein, die in der vordersten Front stehen und dort auch bleiben, wenn sie Mist gebaut haben, und dann auch ihren eigenen Kopf hinhalten.
Ich habe noch keinen Familienunternehmer gesehen, der untertaucht, auswandert und sich aus der Ferne mit sicherem Abstand mit Kritik zu Wort meldet – und trotzdem das Vertrauen seiner Mitarbeiter hat, die sich wünschen, dass er zurückkehrt.

 

Gestaltungsreichtum

Gestalter haben ein klares Bild von der Zukunft ihres Verantwortungsbereiches, denken ihre Entscheidungen soweit möglich zu Ende und kommen schnell ins Handeln. Sie sind bereit zu korrigieren und stehen jederzeit ganz persönlich für die Ergebnisse gerade.

 

 

Jürgen R. Schmid

Design Tech

www.designtech.eu

1Kommentar
  • Rainer Bach
    Veröffentlicht um 14:16h, 25 Oktober Antworten

    … und genau diese Sorte Politiker gibt es so gut wie gar nicht mehr, die Gestalter (Macher) und Kopfhinhalter.
    Schade eigentlich

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