Blindflug

Sie haben ein Projekt – im Geschäft, privat oder auch ganz persönlich.
Wie gehen Sie vor? Mit welcher „Denke“ packen Sie es an? Wollen Sie es schnell und einfach abhaken, oder sind Sie entschlossen, ein konkretes Resultat zu erreichen?
Ein früherer Schulkamerad und Klassenprimus antwortete mir auf die Frage nach seiner Berufswahl: „Bei meinem herausragenden Zeugnis muss ich Medizin studieren.“ Es handelt sich hier um eine fremdbestimmte Schlußfolgerung, die nichts mit ihm und seiner Situation zu tun hatte. Für ihn gab es keine Entscheidung, nicht einmal eine Wahl zwischen zwei Möglichkeiten war gefordert. Jedoch die Zukunft würde zeigen, wohin ihn sein Blindflug führte.


Nur eine scheinbar richtige Lösung

 

Multiple Choice ist etwas für den Spielplatz

Bundestagswahlen funktionieren nach dem Multiple Choice-Verfahren. Wir bekommen einige Möglichkeiten und Vorschläge auf dem Stimmzettel und wir wählen aus. Manchmal wählen wir das kleinste Übel. Deshalb heißt es Bundestagswahl und nicht Bundestagsentscheidung. Genau so funktioniert es oft auch in der Industrie. Wir akzeptieren zu oft ungeeignete Vorschläge und entscheiden uns für die kleinste Plage. Ganz aktuell bearbeiten wir ein Industrial Designprojekt der Automationsbranche mit dem Schwerpunkt „Design to cost“. Das Produkt soll eine zielgruppengerechte Produktwirkung bekommen und maximal kostenoptimiert werden. Diese Kombination hat durchaus eine anspruchsvolle Komplexität.
Ständig gibt es Entscheidungen zu treffen zwischen diesen beiden Aspekten.
„Billig“ kann jeder. „Design“ kann auch fast jeder. Beides zusammen ist eine Herausforderung und in der Praxis selten zu finden.

 

Nicht dramatisch, jedoch symptomatisch

Letzte Woche hatten wir in diesem Projekt folgenden Vorfall bei einer Detailfrage:
Der externe Konstrukteur teilt unserem Kunden mit, dass der Vorschlag der Designer teuer wird – und liefert deshalb gleich seine kostengünstige Idee mit. So weit, so gut. Ich mag Menschen, die proaktiv sind. Da unser Design-Projektleiter im Urlaub ist, bekommen wir ohne weitere Abstimmung vom Kunden die Information, dass man alternativlos den preiswerten und hässlichen Vorschlag des Konstrukteurs gewählt hat.
Symptomatisch an diesem Fall ist, dass die Alternativlosigkeit viel zu oft und viel zu schnell akzeptiert wird. Dabei gibt es immer Alternativen, die präzise und punktgenau auf die Situation zugeschnitten sind.

 

Nicht locker lassen

Das erfolgversprechendste Ergebnis erreicht man nur, wenn in zielorientierten Lösungen gedacht wird.
In unserem Fall bedeutet das, dass unser Design Team ganz sicher eine attraktive und kostengünstige Möglichkeit gefunden hätte. Unser Kunde hat bei dieser Detailfrage übersehen, dass es nicht nur „entweder kostenoptimiert oder Design“ gibt, sondern „kostenoptimiert und Design“ möglich gewesen wäre. Ich weiß, dass nichts auf dieser Welt alternativlos ist.
Zielgenaue Ergebnisse fallen leider nicht vom Himmel, dazu braucht es den Gestaltungswillen und die Entschlossenheit unserer besten Leute, es braucht Menschen wie Löwen, die nicht locker lassen, bis sie die Beute erlegt haben.

 

Die Denkweise prägt das Ergebnis

Die Krux an diesem Beispiel ist die Denkweise. Es geht nicht darum, das Problem „irgendwie zu lösen“, damit man es los wird, um sich mental zu entlasten oder damit man im Zeitplan bleibt. Ich suche immer intensiv und hartnäckig nach einer Lösung, die mich meinem Ziel näher bringt und gebe vorher nicht auf. Ich akzeptiere keine schnellen pauschalen Vorschläge mit oberflächlichen Argumenten. Zugegeben, das ist anstrengend und braucht Konzentration, es fordert Kraft und Standhaftigkeit, Konsequenz und Auseinandersetzung von allen Beteiligten. Wenn allerdings das angestrebte, punktgenaue Resultat erreicht ist, macht sich allerorts Stolz breit und der Erfolg stellt sich ein.

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Design Tech

www.designtech.eu

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