Jeder ist eine Marke

Sportler, Künstler, Politiker profilieren sich seit jeher mehr oder weniger gekonnt. Mittlerweile begreifen sich aber auch immer mehr Unternehmer oder Manager als Marke. Kein Wunder, dass mich zunehmend Menschen fragen, wie auch sie zu einer Marke werden können.

 


„Lieber ein eckiges Etwas als ein rundes Nichts“ Manfred Gotta (Gotta Brands)

 

Zunächst einmal sollte jedem klar sein: Niemand kann keine Marke sein. Denn jeder vermittelt in der Interaktion mit anderen immer ein persönliches Markenbild. Es stellt sich also nicht die Frage wie man zur Marke wird, sondern, ob man seine Marke bewusst steuern oder einfach nur entstehen lassen will. Entscheiden Sie sich für Letzteres, dann müssen Sie mit dem Bild, das andere von Ihnen bekommen, klar kommen.

Beim Selbstmarketing geht es jedoch nicht darum, sich zu verstellen oder anderen etwas vorzuspielen. Vielmehr geht es um das bewusste Herausarbeiten der Stärken, die sofort erlebbar werden sollen. Denn unser Gegenüber macht sich bereits in den ersten Millisekunden des Kennenlernens ein Bild von uns. Egal, ob es sich dabei um ein Bewerbungsgespräch, eine Kreditverhandlung oder um eine Verkaufssituation handelt – das vermittelte Markenbild ist dabei unerbittlich erfolgsentscheidend.

Das ist eine Erkenntnis, die ich nach vielen Jahren des Nachdenkens und Beobachtens gewonnen habe. Ich bin mir deshalb sicher: Eine präzise Marke hilft all jenen Menschen, die ein spezielles Ziel verfolgen. Warum aber gestalten dann nur Wenige aktiv ihr Markenbild? In meinen Gesprächen stelle ich fest, dass nur sehr wenige Menschen bereit sind, sich für einen persönlichen Fokus zu entscheiden und damit konsequent auf alle anderen Dinge zu verzichten. Ein scharf umrissener Kern ist jedoch die Voraussetzung für eine individuelle Eigenmarke.

Ich selbst habe dies in meinen Anfangsjahren als Industrial Designer nicht verstanden und habe deshalb jeden Auftrag angenommen. Die Folge? Ich war einer von etwa 3500 anderen Industrial Designern in Deutschland und war folgerichtig austauschbar. Mit meiner konsequenten Entscheidung, nur noch Maschinen zu designen, wird Design Tech dagegen heute weltweit als das einzige Designunternehmen für den Maschinenbau wahrgenommen, das ausschließlich Maschinen designt.

Denn seitdem ich alle Energie und meine gesamten Ressourcen auf dieses Thema fokussierte, explodierte mein Spezialwissen, was in der Branche nicht unbemerkt geblieben ist. Deshalb hatten wir mit unserem Verzicht auf alles andere auch schnell keinen Wettbewerb mehr auf Augenhöhe. So ist es auch im persönlichen Bereich. Wenn ich als hilfsbereit (Mutter Teresa) wahrgenommen werden will, dann darf ich mir keinen Fehltritt erlauben, sonst ist meine Marke beschädigt.

Noch ein letztes Wort für heute: Vor einigen Wochen habe ich hier im Blog über Titel auf Visitenkarten gesprochen. Titel werden von dem einen oder anderen als Chance gesehen, über den Titel das eigene Markenbild zu promoten. Doch Titel und Marke sind nicht ein- und dasselbe. Der Unterschied liegt darin, dass Titel vergängliche Hüllen sind. Die Marke jedoch hat das Potenzial, posthum zu wirken. Bei Helmut Schmidt bin ich mir da sehr sicher, dass es so sein wird. Aber ich kenne auch weniger berühmte Persönlichkeiten, die über ihren Tod hinaus eine Marke sind, wie zum Beispiel Eugen Hornberger, Mitbegründer der Homag Maschinenbau AG.

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Weblinks:
www.designtech.eu
www.maschine2020.de

1Kommentar
  • Manfred Hein
    Veröffentlicht um 22:23h, 07 Februar Antworten

    Sie treffen es genau auf den Punkt Herr Schmidt, denn so ist die Realität.

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