Nachahmer willkommen

Anfang der 80er Jahre habe ich mir eines der ersten Autos mit Katalysator gekauft. Zusatzkosten: etwa 1.200 DM. Stolz auf mein Umweltbewusstsein fuhr ich mit dem neuen Wagen nach Hause. Nach wenigen Minuten donnerte ein Starfighter über mich hinweg und ich fragte mich, ob mein Mini-Beitrag zum Umweltschutz, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, ins Gewicht fällt und ob meine Investition gut angelegt ist.

Wollten Sie schon einmal Ihre Kaffeemaschine reparieren?

 

Megatrend

Heute ist Umweltschutz eine Bürgerpflicht geworden. Themen  wie Schonung der Ressourcen, Nachhaltigkeit, Klimagipfel, Regenwald, Feinstaub-Belastung sind täglich in den Medien und in unseren Köpfen. Bei Missachtung ernten wir Missachtung bei unseren Nachbarn, Kollegen, Freunden … Wir werden gesellschaftliche Außenseiter. Bereits im Kindergarten und der Grundschule werden unsere Kinder gebrieft  und gemaßregelt. Jedem von uns ist

– nach dieser Gehirnwäsche oder besser aus eigener Überzeugung – bewusst, dass wir unseren Beitrag zur Erhaltung unserer Umwelt leisten sollten.

 

Das Wegwerf-Prinzip

Trotzdem gibt es einen Trend hin zur Umweltgefährdung. Kürzlich war, nach wenigen Jahren der Benutzung, mein Kochfeld im Herd einer Edelmarke defekt.

Es handelte sich um die Elektronikeinheit. Reparieren lohnt sich nicht. Also: alles wegwerfen. Ein komplett neues Kochfeld war gefordert. Kein schlechtes Geschäft für den Hersteller, könnte man meinen. Bei der Neuanschaffung entschied ich mich allerdings bewusst gegen die Edelmarke und für ein Produkt eines kleinen Familienbetriebes.

 

Je kürzer umso besser

Mein Auto mit Benzinmotor läuft seit 20 Jahren und mit knapp 400.000 Km immer noch tadellos. Der Hersteller interessierte sich daher dafür und wollte herausfinden, weshalb das Fahrzeug so lange läuft. Fehlanzeige! Nicht um herauszufinden, was man davon lernen kann, um die Haltbarkeit neuer Modelle zu optimieren und unsere Ressourcen zu schonen, sondern um das für das lange Leben verantwortliche Bauteil zu  identifizieren und so die Laufzeit zu verkürzen. So kommt es schneller zum Neukauf.

 

Freiwilligkeit ist eine Illusion

Ein Freund hat mir berichtet, dass bei drei seiner Sportlimousinen desselben Typs und derselben Marke jeweils bereits nach 20.000 Kilometern das Getriebe getauscht werden musste. Dem Hersteller war das Problem wohl bekannt, aber hatte kein Interesse, den Schwachpunkt zu beseitigen.

 

Braucht es Druck

Ich frage mich auch, weshalb es erst jetzt möglich ist, den CO2-Ausstoß bei Dieselmotoren zu reduzieren. Vielleicht weil der öffentliche Druck stark angewachsen ist und Fahrverbote drohen.

 

Ab ins letzte Glied

Auf der Suche nach technischen Konsumer-Produkten, die eine nachhaltige Nutzung ermöglichen, werde ich kaum fündig. Dabei beherrschen wir höchste Ingenieurskunst und es wäre für unsere Techniker ein leichtes, nachhaltige Produkte zu entwickeln. Ich beobachte es täglich bei unseren Auftraggebern: die Ingenieure sehe ich oft genug „zaubern“. Es geht also nicht ums Können, sondern ums Wollen. Vielleicht zählt am Ende doch nur der schnellen Mammon. Die Nachhaltigkeit bleibt auf der Strecke, denn die steht weit hinten in der Reihe der Prioritäten.

 

Es gibt noch Vorbilder

Die Maschinenbauer zeigen uns, wie es geht. Die Ingenieure, Techniker und Produktmanager haben den Kunden und dessen Anforderungen und Wünsche im Fokus. Auch die Geschäftsführung der Maschinenunternehmen gibt diese

Strategie vor. Das kann ich aus meiner langjährigen Erfahrung und dem direkten Kontakt zu den Entscheidern der Branche unterstreichen: Jedes Projekt, das wir anpacken, hat in der Zielsetzung Langlebigkeit und Servicefreundlichkeit. Also lange Lebensdauer, einfache Wartung sowie schneller und kostengünstiger Austausch von defekten Komponenten. Das fordern und honorieren die Kunden.

 

Abkupfern erwünscht

Ich kenne nur Industrieunternehmen dieser Branche, die auf Nachhaltigkeit setzen – das ist eine vorbildliche Haltung. Interessant dabei ist, dass diese Hersteller Gewinne erwirtschaften und kontinuierlich wachsen. Das Umweltkonzept rechnet sich in jeder Hinsicht. Ein Vorbild für die Konsumer-Branche, für technische Produkte, die an den Endverbraucher gehen, also an Sie und mich.

 

Ich freue mich auf ein Smartphone, einen Haartrockner, eine Digitalkamera… die zu einem fairen Preis reparabel sind und ein paar Jahre tadelllos funktionieren.

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Weblinks:
www.designtech.eu
www.maschine2020.de

1Kommentar
  • Erich-Norbert Detroy
    Veröffentlicht um 09:32h, 30 November Antworten

    Voll ins Schwarze,
    lieber JÜRGEN,
    werde das Mail mal an einen meiner Kunden weiterleiten.
    Gruss Erich

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