Wer entscheidet, ob es Premium ist?

Der Vorstand eines angesehenen Maschinenbauers hat mich sehr überrascht, als er mir vom Entscheidungsprozess beim Kauf einer neuen Fertigungsanlage folgendes berichtete:
Bei der systematischen Auswertung der auf dem Markt verfügbaren Maschinen gab es einen klaren Sieger und die Entscheidung schien eine klare Sache zu sein. Die Menschen in der Produktion waren mit der systematischen Fakten-Auswahl allerdings gar nicht einverstanden und sind beim Vorstand Sturm gelaufen.
Ihr Favorit war ein anderes Produkt: Qualitativ minderwertiger und obendrein noch teurer als der „Testsieger“. Nach dem aber die Aufklärungsinitiative der Führungsetage erfolglos blieb und die Mitarbeiter in der Produktion nicht locker liesen, hat der Vorstand eine weise Entscheidung getroffen und erfüllte den Menschen aus der Produktion ihren Wunsch. Denn er wußte, dass die schlechtere Maschine durch die hohe Akzeptanz der Mitarbeiter auch wirtschaftlich nachhaltig für das Unternehmen die bessere Wahl sein würde.

 


Der Kunde entscheidet, wer die Premium-Krone bekommt

 

Was sind eigentlich Premium-Fakten?

Wie werden in der Industrie bei Investitionen Entscheidungen getroffen? Die Funktion ist entscheidend. Die Qualität muß stimmen. Der Kaufpreis zählt. Das beste Produkt gewinnt den Vergleich. Es geht also nur um Zahlen, Daten, Fakten! Diese Hardfacts beschäftigen die Strategen und Ingenieure in der Wirtschaft, wenn ein neues Produkt entwickelt werden soll. Das messbare zählt. Das erkenne ich am faktenzentrierten Pflichtenheft und an der täglichen Projektarbeit als Designer. Schließlich bekommt der Kunde die tabellarischen Produktbeschreibung als Entscheidungshilfe.

 

Ist Erstklassigkeit messbar?

Wenn Menschen im Spiel sind, gibt es allerdings neben den rationalen Aspekten noch eine andere Ebene des Erfolgs. Wir lieben beste Qualität, Erstklassigkeit und Hochwertigkeit. Wir kaufen gerne von den besten. Von Premiumherstellern. Bei dem Gedanken an Premium-Produkte vermuten wir gehobene Qualität, markantes Industrial Design, bessere Funktion und schließlich den höheren Preis, der bei diesen Premium-Eigenschaften für jeden selbstverständlich ist.
Wir entscheiden uns für Premium-Produkte, weil sie ihr Geld wert sind. Oder?

 

Wann ist ein Produkt ein Premium-Produkt?

Was macht ein Produkt zu einem Premium-Produkt?
Was sind die entscheidenden Merkmale?
Erfüllt es besonders hohe ästhetische Ansprüche, ist es hochwertig verarbeitet, werden teuere Materialien verwendet, ist es wertstabil oder handelt es sich um eine starke Marke mit einem preisgekrönten Industrial Design und entsprechender Preispositionierung. Handelt es sich bereits um Premium, wenn das Produkt im Vergleich besser abschneidet?
Ist ein Produkt von erstklassiger Qualität, hat einen gehoben Preis und die beste Funktion in seiner Klasse, dann ist es trotzdem noch lange kein Premium-Produkt.
Aber wie ist Premium dann erkennbar und messbar? In jedem Fall gibt es in jedem Kontinent der Erde sichtbare Unterschiede. „Ein Premium-Gabelstapler“, so sagte es,
Hans-Georg Frey, der CEO von Jungheinrich, „hat in den Industrieländern einen teuren Multifunktionssitz und anderswo ein Holzbrett. Top-Technologie wird jedoch überall vorausgesetzt“.

 

Wie wird ein Produkt zum Premium-Produkt?

Ist Premium nur eine Werbebotschaft, dann ist es alles und nichts. Das gilt für die Industrie genauso wie privat. „Wenn ich Premium drauf schreibe, dann ist Premium drin“ – so die Absicht des Herstellers. Ich habe allerdings beobachtet, dass echte Premium-Hersteller nicht darüber reden. Sie wissen, dass der Kunde darüber entscheidet, ob ihr Produkt oder ihre Marke Premium ist. Wenn Ihr Kunde Ihr Produkt kauft, weil er sich dann sicher sein kann, dass er eine richtige Entscheidung getroffen hat und weiß, dass er mit Ihrem Produkt seine Aufgabe bestens erledigen kann; wenn er Ihr Produkt kauft um sich oder seine Mitarbeiter zu belohnen, dann sind Sie in der Premium League angekommen.

 

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Weblinks:
www.designtech.eu
www.maschine2020.de
www.werkzeugderzukunft.de

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