Wie Beziehungen, Räume und Gegenstände mein Denken beeinflussen

Als ich mich vor vielen Jahren im Bereich Maschinendesign selbständig gemacht habe, haben wir in einer alten Villa 100 m2 angemietet. Die Räume waren überdurchschnittlich hoch. Das hatte eine enorm anregende Wirkung auf mich und hat mich bei der Planung und dem Bau unseres Bürohauses in Ammerbuch bei Tübingen signifikant inspiriert. Unsere Räume haben jetzt sogar drei bis fünf Meter hohe Wände, große Fenster und von jedem Raum geht eine Tür nach draußen in die Natur. Nach dem Einzug hat sich eindrücklich bestätigt, dass ich hier aufgrund der Räume, des Lichteinfalls und des Blicks ganz anders denken kann, als in unserem früheren Domizil.

Große Räume für große Gedanken

Räume beeinflussen mich inzwischen so stark, dass ich, wenn ich zum Beispiel bei einem Besuch in engeren Räumen bin, kaum große Gedanken entwickeln kann. Dadurch ist mir klar geworden, dass Räume sich auch enorm auf die Art und Weise auswirken, wie ich meine Arbeit mache. Große helle Räume sind wichtig für große Gedanken. Entsprechend könnte ich Industriedesign nie mit Blick auf eine Wand machen. Eindrucksvolle Persönlichkeiten haben mir immer wieder bestätigt, dass sie bevorzugt einen Platz mit Aussicht wählen, wenn sie über Visionen nachdenken. Auch als Kind tat ich intuitiv das Richtige: Ich habe das Fenster mit der größten Weitsicht gewählt, stand einfach nur davor und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Bei Kreativmeetings achten wir deshalb auch auf geeignete Räumlichkeiten.


Energieraubende und energiespendende Gegenstände

Ich habe auch festgestellt, dass es energieraubende und energiespendende Gegenstände gibt. Als Konsequenz habe ich jeden einzelnen Gegenstand in unserem Haus geprüft und alles entfernt, was mir Energie raubt. Jetzt hat mein berufliches und persönliches Umfeld keine Energiefresser mehr. Wenn ich beispielsweise ein Buch über Henry Moore in die Hand nehme, dann hat das einen positiven Effekt auf mich.


Auch Wunschkunden spenden Energie

Die interessante Erfahrung mit den Gegenständen habe ich dann auf meine Geschäftsbeziehungen übertragen. Auch sie können energiespendend oder energieraubend sein. So habe ich mir vorgenommen, bei Kundenterminen meinem Energiepegel besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Da ich ein Freund der Systematik bin, stellte ich dabei folgende Regel auf: Wenn ich aus einem Kundentermin dreimal in Folge mit weniger Begeisterung herausgehe, als ich hineingegangen bin, dann spreche ich zunächst mit dem Kunden, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Wenn uns das nicht gelingt, bringen wir das Projekt geordnet zu Ende und lösen die Kooperation auf. Inzwischen wenden wir diese Erkenntnis bei Design Tech konsequent an. Wir haben jetzt ausschließlich Kunden, mit denen wir mit großer Einsatzbereitschaft und auf wertschätzende Art und Weise zusammenarbeiten. Die Projektergebnisse und die abschließende Kundenzufriedenheit bestätigen meine These vom Energiefluss beeindruckend.


Mut zur Veränderung

Zum 20-jährigen Bestehen von Design Tech habe ich in einer kleinen Ansprache erklärt, dass ich 2010 nur noch mit Wunschkunden arbeiten werde. Das sind für mich Unternehmen, für die ich bereit bin, alles zu geben. Ein guter Kunde und Geschäftsfreund sagte mir an diesem Tag, dass er ebenfalls davon träume, jedoch keine realistische Aussicht sehe. Ich habe damals zuversichtlich diese Entscheidung getroffen und nach wenigen Jahren festgestellt, dass ich mein Vorhaben bereits weit vor 2010 in die Tat umgesetzt hatte. Es war eine mutige Entscheidung, die ich zu keinem Zeitpunkt bereut habe.

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Design Tech

www.designtech.eu

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