Das Foul

Vor einigen Tagen wurde in der Fußball-Bundesliga über die Einführung einer Play-off-Runde diskutiert. Das würde bedeuten, dass die etablierten Regeln verändert werden.
Uli Hoeneß empört sich über die Play-off-Pläne: „Das wäre einfach total unfair!“ Diese Reaktion ist verständlich, wie ich finde. Schließlich ist der FC Bayern mit Abstand der Tabellenführer in der Liga. Hoeneß äußerte gegenüber der SZ:
„Wir haben ja beim FC Bayern nicht einen besonderen Mäzen, der uns Geld schenkt. Oder eine Erbtante aus Amerika.“

Die anderen müssen einfach bessere Arbeit machen. Wir haben uns den heutigen Erfolg über 40 Jahre hart erarbeitet.

 


Regelbrecher akzeptieren keine Gitterstäbe

 

Regelbrecher sind Hassfiguren

Schauen wir gemeinsam über den Teich nach Amerika und werfen einen Blick auf die aktuelle politische Situation und die „außergewöhnlichen“ Ideen des Präsidenten Donald Trump. Kürzlich kam er unter anderem mit Schutzzöllen um die Ecke. Er hat damit gedroht, neben Zöllen auf Stahl und Aluminium auch Schutzzölle für Autos zu erheben. Die US-Hersteller würden durch bestehende Handelsverträge benachteiligt, meinte er.

 

Regeln müssen eingehalten werden

Unabhängig davon, ob Play-off-Runden und Schutzzölle sinnvoll und zweckmäßig sind oder nicht – in jedem Fall wird mit bestehenden Regeln gebrochen.
Uli Hoeneß lehnt die Play-off-Runden kategorisch ab. Und die Bundesregierung will, dass Deutschland von den Schutzzöllen ausgenommen wird und fordert eine dauerhafte Regelung.
Ich verstehe diese Haltung, denn sie ist naheliegend und verständlich. Und sie wird sowohl den Bayern-Fans als auch der deutschen Wirtschaft gefallen. Die Gegner der Regelbrecher vertreten also eine populäre Meinung und haben die Mehrheit hinter sich. Der Feind ist der Regelbrecher.

 

Regeln sind wie Sofa und Chips

Betrachten wir den Vorgang einmal „um die Ecke“. Dann stelle ich fest, dass wir gegen die Regelrechter rebellieren und sie als unfair bezeichnen und manchmal sogar hart bekämpfen. Wir setzten alles daran, dass es so bleibt, wie es ist. Wir haben es uns eingerichtet. Wir haben uns arrangiert mit den bestehenden Regeln. Wir wissen, wie wir damit umgehen und haben Strategien entwickelt, mit denen wir erfolgreich sind. Unabhängig davon, ob die geltenden Regeln veraltet oder fair sind oder nicht.
Wir kämpfen für das Bestehende und verurteilen die Veränderung. Im Sport, in der Politik und auch in der Wirtschaft. Und wenn wir genau hinsehen, ist es auch im ganz persönlichen Umfeld nicht anders.
Wir hassen es, mit dem Unbekannten, das jede Veränderung mit sich bringt, umzugehen. Sind wir ein Volk von Bewahrern?

 

Wozu sind Regeln gut ?

In jedem brauchbaren Marketingseminar und Sachbuch über Strategien ist zu lesen, dass wir die Regeln der Branche brechen sollen, um noch erfolgreicher zu werden. Tun es dagegen andere, haben wir keine Idee, wie wir damit umgehen können. Ich beobachte allerdings auch, dass sich der deutsche Mittelstand und die Maschinenbauer sehr schwer damit tun, die Empfehlung zum Regelbrechen umzusetzen. Es fehlt nicht nur die Idee, sondern auch der Mut. Auch ein Donald Trump weiß nicht, was passieren wird, wenn er die geplanten Schutzzölle einführt. Von einem Handelskrieg wird auch Amerika nicht profitieren. Ich verstehe die Vorbehalte gegen das Regelbrechen nur all zu gut.

Eines zeigen mir allerdings diese beiden Beispiele: Wir können mit Regelbrechern nicht umgehen. Wir haben Angst vor ihnen und flehen um Ausnahmen und dauerhafte Regelungen. Dabei ist nichts dauerhaft, das weiß jeder Unternehmer.

 

Alleingang

Ohne Risiko gibt es keinen Gewinn. Jede Veränderung ist Risiko und Chance zugleich. Wenn die Aktien tief stehen, habe ich viel Geld verloren – oder stehe ich doch vor einer großen Chance?
Auch wenn sich die Regeln ändern: Es ist eine Frage der Perspektive und der Kreativität, ob ich auch morgen noch am Markt teilnehme. Ich selbst liebe Kontinuität, aber fordere die Veränderung. Der Regelbruch ist keine Verteidigung sondern Angriff.

Im Designbereich haben wir Kunden, die die Regeln brechen und etablierte Denkweisen angreifen. Der Weg ist fast immer anstrengend und intensiv, bevor sich dann der Erfolg einstellt.

 

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Weblinks:
www.designtech.eu
www.maschine2020.de
www.werkzeugderzukunft.de

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