„Design“ ist ein Scheißbegriff

Vor einigen Tagen hatte ich eine Verpackung von After Eight in der Hand. Nach dem Genuss der Süßigkeit schaute ich mir die Verpackung näher an und war überrascht. „Limited Design Edition“. Nach einer näheren optischen und geschmacklichen Prüfung konnte ich jedoch nicht ausmachen, was diese Verpackung oder deren Inhalt mit Design zu tun hatte. Es war nicht festzustellen, was an dieser Schokolade anders sein sollte. Vorsicht: Der Kunde bemerkt schnell, wenn ihn jemand für dumm verkaufen will! Jetzt hat mich ein Geschäftspartner gebeten, diese Geschichte aufzugreifen und zu beleuchten.

 

 

Was ist eigentlich Design?

Naildesign, Hairdesign, Farbdesign, Grafikdesign, Webdesign, User Interface-Design, Produktdesign, Industrial Design. Designdays. Universal Design, Verpackungsdesign.
„Design – Schönes für drinnen und draußen“, schreibt die Süddeutsche Zeitung.
Solche Medienberichte prägen den Begriff „Design“ in der Öffentlichkeit und unterstellen Oberflächlichkeit, Beliebigkeit und sogar Belanglosigkeit der Arbeit und der Ergebnisse von hoch spezialisierten Designexperten. „Was ist eigentlich Design?“ habe ich mich gefragt. Wissen Sie, was Design ist?

 
Design ist schnell gemacht

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Design jeder kann. Und es ist auch schnell gemacht. Einfach auf die Packung schreiben und fertig ist das Design. Dazu brauche ich kein Abitur und keine jahrelange Spezialausbildung. Könnte man meinen.
Mit dieser Haltung werde ich schon auch mal in Gesprächen mit der Industrie konfrontiert: „Machen Sie doch einfach mal schnell eine Skizze!“ Zugegeben, wenn ich eine Maschine skizziere wird sie irgendwie immer attraktiv. Als Designer kann ich kaum etwas Hässliches hervorbringen. Auch wenn ich mich inhaltlich mit dem Produkt und dem Anwender nicht auseinandersetze wird das Bild, das ich skizziere, schön.

 
Design ist Problemlösung

Aufhübschen, Rechnung schreiben, fertig! Das ist verlockend. Denn so könnte man als Designer schnelles Geld verdienen. Sie sollten jedoch wissen: Schön ist zwar schön, bringt aber nichts, ist wertlos für den Kunden und für den Hersteller. Wertlos für alle. Schön ist kein Qualitätsmerkmal, sondern Geschmacksache, persönliche Vorliebe.
Verbessern, gebrauchstauglicher, erfolgreicher machen. Eine Marke abbilden oder vom Wettbewerb unterscheidbar machen. Den Unterschied von Qualitätsprodukten sichtbar machen und hervorheben. Daran arbeite ich jeden Tag.

 
Design ist es dann, wenn Mehrwert entsteht

In meinem Verständnis ist Industrial Design harte Arbeit und braucht ein tiefes Verständnis für das Produkt, die Branche, den Hersteller und den Anwender. Ein professioneller Industrial Designer arbeitet zielgerichtet, um ein Problem zu knacken. Im Maschinendesign bedeutet das auch Verbesserung der Zugänglichkeit, verbesserte Servicefreundlichkeit, zielkostengerechte Ergebnisse und vieles, vieles mehr. Die Aufgabe an den Industrial Designer ist direkt verbunden mit der Problemstellung, die gelöst werden soll.

 

Design ist ein Qualitätsmerkmal

Ich habe von After Eight gelernt, dass „Design“ nichts und alles bedeutet. Eins steht allerdings fest: Das Designverständnis von After Eight und der Süddeutschen Zeitung hat nichts mit dem zu tun, was wir bei Design Tech tagtäglich entwickeln.

 

Design ist ein Erfolgsfaktor

Ich habe die Hoffnung, dass unsere Maschinenbauer verstehen, dass Maschinendesign mehr ist als eine willkürliche Angelegenheit. Mehr als eine persönliche Vorliebe, mehr als aufhübschen. Design ist ein Qualitätsmerkmal, das den Nutzen und den Erfolg steigert. Allerdings nur, wenn es hoch professionell gemacht ist. Ich habe festgestellt: Für zusätzlichen Erfolg gibt es für jedes Unternehmen und jedes Produkt das einzig richtige Design!

 

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Weblinks:
www.designtech.eu
www.maschine2020.de
www.werkzeugderzukunft.de


In meinem Buch „Standard ist tödlich“ habe ich diesen Aspekt näher betrachtet.


ISBN 978-3-947572-01-4

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