Die entscheidenden ersten fünf Minuten

Alte Tugenden wie Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Ordnung, Disziplin und Fleiß sind längst überholt. Man nennt sie preußische Tugenden und meint damit Sturheit und Mangel an Flexibilität. Warum ist das so?

 


Leider zu spät!

 

Ein prägendes Erlebnis

Vor vielen Jahren hatte ich an einem Mittwochmorgen um 9 Uhr einen Termin bei dem Mitbegründer der Homag AG. Auf dem Weg dorthin war die Ampel rot, ein LKW hat mich aufgehalten und die Parkplätze waren belegt. Sie erahnen es bereits. Ich kam zu spät. 12 Minuten. Ich eilte die Treppe hinauf und begrüßte die Sekretärin. Sie sagte mir, dass Herr Hornberger eben noch im Büro war und jetzt im Betrieb unterwegs ist. Ich wartete.

Nach etwa einer viertel Stunde bekam ich die Information, dass ich jetzt erwartet werde. Ich trat respektvoll und mit einem schlechten Gewissen in das Chefbüro. Nach weiteren Minuten kam mein Gastgeber und begrüßte mich freundlich mit den Worten: „Zuerst habe ich gewartet und jetzt haben Sie gewartet.“

 

Mein Vorbild

Er ist nicht ausgerastet, hat mich nicht missachtet. Er wollte sich nicht rächen oder hat sich in seinem Ego verletzt gefühlt. Er antwortete mit Ruhe und Gelassenheit und wie immer sehr wertschätzend. Und so hat er mir eine Lektion fürs Leben mitgegeben. Pünktlichkeit hat sehr viel mit respektvollem Umgang zu tun. Ich habe verstanden: Unpünktlichkeit ist respektlos.

 

Eine Lektion fürs Leben

Gerne würde ich Ihnen jetzt sagen, dass ich nie wieder zu spät gekommen bin. Leider kommt es immer wieder vor, dass ich im Stau stehe. Damit ist heute jede Verspätung leicht zu erklären. Und jeder hat Verständnis. Verspätungen kommen bei mir fast immer nur dann zustande, wenn ich ohne Zeitpuffer gestartet bin. Dann führt jede Verkehrsbehinderung zu Verzögerungen und zur Verspätung.

 

Risiken und Nebenwirkungen

Ich habe festgestellt, dass die Verspätung auch bei mir selbst jede Menge Nebenwirkungen hat: Ich stehe die gesamte Fahrt unter Strom, bin nur darauf konzentriert, Minuten und Sekunden herauszufahren und kann keinen produktiven Gedanken fassen. Selbst der kurze Zwischenstopp für dringende Bedürfnisse muss entfallen.

Ich verbrauche Energie, die ich besser für das anschließende Gespräch sparen sollte. Wenn ich angekommen bin, braucht es zuerst eine Verschnaufpause. Bei Verhandlungsgesprächen verschlechtere ich meine Position durch Unpünktlichkeit, und zu allem Überfluss habe ich die Stimmung beim Gesprächspartner in den emotionalen Keller gefahren.

 

Die Konsequenz

Wenn mir Pünktlichkeit nicht wichtig ist, dann hat das Gespräch für mich keine Bedeutung und kann gestrichen werden, denn jeder sollte seine Zeit konstruktiver verbringen als mit Menschen, für die man keine Wertschätzung hat.

Denn wir alle spüren, dass Pünktlichkeit sehr viel mit Respekt und Hochachtung zu tun hat.

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Weblinks:
www.designtech.eu
www.maschine2020.de
www.werkzeugderzukunft.de


In meinem Buch „Standard ist tödlich“ habe ich diesen Aspekt näher betrachtet.


ISBN 978-3-947572-01-4



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