Geld ist Zeit

Ein Freund sagte mir im Gespräch über Haushaltsführung, dass man nicht übertrieben sparen sollte. Ich habe nicht verstanden, was er mit „ übertrieben“ konkret meinte.
Damit Sie sich ein Bild machen können:
Ich schalte z. B. das Licht aus, wenn ich den Raum verlasse, stelle den Wasserhahn beim Zähneputzen ab und kippe kein Fenster, wenn die Heizung läuft, fahre mit dem Auto nicht spazieren, kaufe nur Dinge, die langlebig sind und brauche nicht alle 5 Jahre ein neues Schlafzimmer. Ich bin sogar stolz darauf, dass meine Stühle nach 30 Jahren fast neuwertig sind. Vielleicht sagen Sie jetzt auch, das ist aber übertrieben sparsam!


gestreute Ressourcen lassen kleine Pflanzen wachsen, gebündelte Ressourcen lassen große Pflanzen wachsen

 

Brauche ich das wirklich?

Meine Kinder fanden meine Haltung dazu auch völlig übertrieben, spätestens bis zu dem Zeitpunkt, als sie die Stromrechnung und die Tankfüllung selbst bezahlen und verdienen mussten. Heute haben sie ihre Gewohnheiten angepasst, denn sie haben sich entschieden, auf Dinge zu verzichten, die sie nicht wirklich vermissen werden. Und sie haben festgestellt, dass es davon eine Menge gibt.

 

Keine Einschränkungen

Jeder hat alles und viele haben viel.
Es fragt sich nur, wozu. Als ich mit 38 Jahren in einem Porsche-Autohaus war, habe ich mich von den tollen Fahrzeugen begeistert gezeigt. Der Geschäftsführer des Autohauses sagte zu mir: „Herr Schmid, es gibt viele schöne Dinge, die man nicht braucht.“ Mein Entschluss stand trotzdem fest, aber dieser Gedanke hat mich dauerhaft geprägt. Ich frage mich heute bei jeder Ausgabe: „Brauche ich das wirklich zum Gebrauchen, Verbrauchen oder für ein gutes Gefühl?“ Nicht immer ist die Entscheidung leicht, denn jeder Einkauf aktiviert in meinem Gehirn das Belohnungszentrum, allerdings nur für 10 Sekunden. Dann kommt die Einsicht, dass es Stunden dauert, um für diesen Einkauf das Geld zu verdienen. Es ist auch nicht wichtig, dass ich kompromisslos mit mir bin, aber ich lege Wert auf eine bewusste Entscheidung. Wenn ich nach Bali fliegen will, dann fliege ich nach Bali.

 

Ohne Verzicht

Wenn ich auf meine Gesundheit achte, spare ich ganz nebenbei auch noch Krankheitskosten. Dieses Verhalten bringt mir null Komma null Einschränkungen. Es braucht maximal veränderte Gewohnheiten. Ich nenne das „in jeder Hinsicht intelligentes wirtschaften“. Denn für jeden Euro, den ich ausgebe, braucht es Arbeitseinsatz. Auch, wenn mir meine Arbeit als Industrial Designer viel Spaß macht und arbeiten für mich Freizeit ist und Freizeit arbeiten ist, kostet es Zeit – und Zeit ist für mich eine sehr, sehr wertvolle Ressource. Damit will ich gewohnheitsmäßig sparsam umgehen, und möchte nur das tun, was ich für wichtig halte, denn meine Zeit ist unwiederbringlich und endlich. Ganz nebenbei schone ich meine Umwelt.

 

Meine Erkenntnis
Ich habe daraus eine ganz persönliches Erkenntnis abgeleitet: Alles, was Geld spart, spart Zeit und ist umweltfreundlich. Ich habe mich bewusst gegen Photovoltaik, denn es rechnet sich nicht. Spätestens jetzt habe ich nicht nur Befürworter meiner These. Auch beste Freunde streiten mit mir darüber. Beim näheren Hinschauen habe ich zwei Gruppen entdeckt, die mich bekehren wollen: Die einen verdienen an der Photovoltaik und die anderen haben bereits eine solche Anlage auf ihrem Dach. Alle anderen folgen im Grundsatz meinen Überlegungen.

 

Ein gutes Leben
Mit meiner Grundhaltung, die ich übrigens nicht für extrem, sondern nur für konsequent halte, habe ich jede Mengen freie Ressourcen für Dinge des Lebens, die mir wichtig sind.

 

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Weblinks:
www.designtech.eu
www.maschine2020.de
www.werkzeugderzukunft.de

 


 

In meinem Buch „Standard ist tödlich“ habe ich diesen Aspekt näher betrachtet.


ISBN 978-3-947572-01-4

 



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