Wie Auftragsbücher Innovationen erschlagen

Falls Sie volle Auftragsbücher haben: Vorsicht! Natürlich gönne ich Ihnen die, Sie haben hart genug gearbeitet dafür. Nur kann das auf lange Sicht Ihrem Unternehmen echten Schaden zufügen.

Jürgen R. Schmid, Innovationen, Auftragsbuch

Es ist schlimm: auch nach den fetten Jahren kein Budget für Innovation

 

Schaffen wir Innovationen?

Erst letzte Woche war ich bei einem Kunden. Wir unterhielten uns über das Innovationsprojekt, bei dem wir ihn seit längerem unterstützen. Die Markteinführung ist für Mai 2020 vorgesehen.

Ich fragte den Geschäftsführer: „Und, schaffen wir den Termin? Haben wir die Kapazitäten sichergestellt, dass wir alle Schritte umsetzen können?“ Seine interessante Antwort lautete: „Ja, schon. Wenn allerdings größere Aufträge kommen, müssen wir unsere Entwickler in die Auftragsarbeit abziehen und haben im Innovationsprojekt einen Engpass. Dann ist es durchaus möglich, dass sich unsere Termine verschieben …“

Diese Reaktion auf volle Auftragsbücher ist der Klassiker: Wir sind voll ausgelastet, deshalb ziehen wir alle Kräfte in das Tagesgeschäft. Was dann folgt, ist genauso klassisch.

Der Sägezahneffekt

Wenn Sie sich von der Produktionsauslastung steuern lassen, haben Sie immer einen Sägezahneffekt in der Entwicklung Ihres Unternehmens: Erst läuft es gut, also produzieren Sie, entwickeln aber nicht. Dann läuft es schlecht und Sie entwickeln wie ein Weltmeister. Prompt läuft es wieder gut und Sie produzieren nur noch … und so weiter. Dieser Effekt wird durch den globalen Markt noch dramatischer werden.

Hinzu kommt, dass der deutsche Mittelstand das „Training“ in Sachen Innovationsentwicklung die letzten Jahrzehnte sträflich vernachlässigt hat. Er konzentrierte sich vorrangig auf Optimierungen – und hatte in dieser Epoche damit auch an den Märkten großen Erfolg. Deshalb macht uns Deutschen in Sachen Perfektionierung von bestehenden Prozessen so leicht keiner was vor. Das Know-how, wie Innovationsprozesse funktionieren, haben dagegen die Wenigsten kultiviert. Im Gegenteil: Ich kenne viele Firmen, die keine Ahnung haben, wie echte Innovation wirklich geht.

Das finde ich tragisch, denn die Zeiten haben sich geändert.

Vom Dreirad aufs Fahrrad

Aktuell beobachten wir in vielen Bereichen einen Systemwechsel. Und echte Innovationen sind immer mit einem Systemwechsel verbunden – das ist, wie wenn Sie beim Tippen vom Zwei- auf das Zehn-Finger-System wechseln, vom Handy auf ein Smartphone, vom Dreirad auf ein Fahrrad. Mit Optimierungen kommen Sie bei solchen Veränderungen nicht mehr weit. 

Doch Innovationen zu entwickeln ist etwas anderes als Optimierung voranzutreiben. Entsprechend sehe ich die meisten Mittelständler und auch große Konzerne kämpfen: Sie wissen einfach nicht, wie sie es anstellen sollen. 

In dieser Situation ist es erst recht eine strategische Entscheidung, „trotzdem“ Kapazitäten für Innovationsprojekte verbindlich bereitzustellen. Manche Firmen schaffen das …

Der blinde Fleck

Die Firma Trumpf zum Beispiel hat es verstanden und setzt auf konsequente Weiterentwicklung statt auf Optimierung von Bestehendem. Doch viele Unternehmen haben an dieser Stelle einen „blinden Fleck“. Sie rutschen in dieses Sägezahnmuster immer tiefer hinein. Und die Gefahr wächst, dass sie irgendwann in der Entwicklung zu weit abgehängt sind, weil die anderen einen echten Innovationssprung gemacht haben, während sie sich noch auf das Produzieren konzentrieren.

In diesem Punkt unterstützen wir von Design Tech unsere Kunden, indem wir solche Abläufe intensiv einfordern und disziplinieren. Wir suchen bereits vor dem Projektstart nach Lösungsansätzen, um Verzögerungen zu vermeiden. Denn wenn die Auftragsbücher die Innovationen ausbremsen, kann das tödlich enden.

Deshalb wünsche ich Ihnen weiterhin eine herausragende Auftragslage: Auf dass Sie gute Gewinne erzielen, damit Sie die Ressourcen und die Manpower zur Verfügung haben, um Ihre Innovationen voranzutreiben. Dann sind Sie und Ihr Unternehmen für die Zukunft bestens gerüstet und Sie bleiben erfolgreich.

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