Denken Sie an die zweite Seite der Medaille

Hätten Sie jüngst Tina Velo bei der Automobilmesse IAA 2019 applaudierend eine Medaille um den Hals gehängt? „Die Autoindustrie wird erst dann ein glaubwürdiger Akteur in der Verkehrswende, wenn sie sich wirklich klar gegen das Auto positioniert“ – sagte die Aktivistin im Fernsehinterview und fordert damit die Abkehr vom Verbrennermotor. In einer Radikalität, die viele Unternehmer betrifft …

Medaille

Nicht alles was einfach aussieht ist einfach.

Die eine Seite der Medaille

Die Sicht der Aktivistin ist oberflächlich, banal und einfältig. Es braucht schon ein bisschen mehr als eine kindliche Sicht auf das Umweltproblem als „Wir müssen das Auto abschaffen.“ Ich habe festgestellt, dass es hilfreich ist, eine Situation zu Ende zu denken. Bereits im zweiten Gedankengang ist es doch offensichtlich, dass durch die Abschaffung des Autos Folgeprobleme auf uns warten. Auf die Wirtschaft und auch auf uns persönlich. 

Denken Sie nur an die Stromversorgung in einer Innenstadt. Wenn die Menschen abends nach Hause kommen und ihre Batterien aufladen wollen. Selbst wenn es genügend Ladestationen gibt, ist das Stromnetz jeder Stadt, jedes Wohngebiets, jedes Wohnblocks dieser Welt überfordert und bricht zusammen. Folgen wir also der Aufforderung und gehen den Schritt weiter, indem wir das Auto abschaffen und jeder nur noch das öffentliche Verkehrsnetz nutzt – Sie wissen doch selbst aus eigener Erfahrung, was die Folgen wären … 

Anspruchsvoller als die Medien glauben lassen

Ganz abgesehen vom Wegfall von Millionen Arbeitsplätzen – ein großer Tiel der Menschen in Deutschland lebt heute direkt oder indirekt von der Autoindustrie. Die Alternativen müssen deshalb sorgfältig geplant und umgesetzt werden. Ad hoc Lösungen befördern uns in jeder Hinsicht zurück in die Steinzeit. 

Ich bin sicher, dass wir in der Lage sind, alternative Mobilitätskonzepte zu entwickeln. Der Wechsel kann allerdings niemals so schnell erfolgen, wie es es aus Umweltgründen notwendig wäre, um die Schadstoffbelastung zu reduzieren. Den besten Zeitpunkt haben wir bereits verpasst. 

Aus ihrem persönlichen Umfeld fallen Ihnen sicherlich viele weitere Gründe ein, warum es nicht gelingen kann, den Schalter einfach nur umzulegen. Das Problem ist anspruchsvoller, als es die Medien und Aktivisten uns glauben machen wollen. Und trotzdem sind wir gut beraten, so schnell wie möglich ins Handeln zu kommen. 

Die zweite Seite der Medaille 

Interessant ist, dass die Vereinfachung auch eine enorm konstruktive Seite hat: Denn dieser Weckruf aus der Öffentlichkeit setzt Politik und Industrie entscheidend unter Druck, damit sie beim Thema Mobilität und Umwelt nach Jahrzehnten der Halbherzigkeit endlich aus dem Verwalten vergangener Erfolge und dem Optimieren von vorhandenen Lösungen ins Innovieren kommen müssen, um zukunftsfähig zu werden. 

Das ist das Konstruktive an dieser Hysterie! 

Sie zwingt uns alle aus der Komfortzone. Sie ist der dringend notwendige und bevorstehende Schritt, der ein großer für die Politik, die Gesellschaft sowie natürlich auch für die Industrie ist. Es braucht superschnell echte Innovationen, bevor wir im Stillstand feststecken und unsere menschliche Existenz ruinieren. Es braucht Mut vom Management und vorübergehend vielleicht auch Verzicht von jedem Einzelnen. 

Wenn wir den Preis für eine saubere Luft und dem sorgsamen Umgang mit unseren Ressourcen nicht bezahlen wollen, bleibt es nur beim Optimieren des Bestehenden. Solange, bis der Druck zur Veränderung noch viel größer wird, weil es uns dann an die Existenz geht.

Ich habe Vertrauen in die Strategien und die Entwickler, dass wir in Deutschland uns eine lebenswerte Zukunft schaffen werden. Und ich freue mich darauf.

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