Produktentwicklung als Chance

Schneller und umweltfreundlicher als ein Flugzeug und günstiger als die Bahn – das hat Elon Musk mit seinem Hyperloop im Sinn. Dieser Mann ist für mich ein spannendes Studienobjekt, weil er einen ganz speziellen Ansatz hat, um neue Ideen zum Transport von Menschen zu entwickeln. Er ist in seinem Denken ein Spekulant: Er denkt nicht in Problemen, sondern in Chancen. Und das macht den Unterschied!

Ein Unterschied, den der Mittelstand sich gerne abschauen dürfte. Welche echten Chancen und Möglichkeiten warten auf Sie, wenn es um Ihre Innovationsprozesse in der Produktentwicklung geht?

Jürgen R. Schmid, Produkt, Chancen, Elon Musk, Hyperloop, Design

Es gibt immer eine Lösung.

 

Chancen oder Probleme? 

In der Industrie beobachte ich zu oft das Gegenteil von Musks Denkmodell: Kaum erblickt eine Idee das Licht der Welt, wird sie schon vehement angegriffen und muss sich im Gegenfeuer des Problemdenkens bewähren.

„Wie soll denn das funktionieren?“

„Das ist sicher zu teuer!“

„Dafür haben wir keine Zeit.“

Das sind nur einige der Fragen und Argumente, die ich oft höre. Und die wichtigste Frage wird komplett außer Acht gelassen: „Wie groß ist der Nutzen dieser Idee?“

Auf Schienen in die Zukunft

Genau so denkt aber Elon Musk. Natürlich ist er als Unternehmer unabhängig, weil er sein eigenes Kapital hat. Er muss sich nicht mit Kollegen oder einem Aufsichtsrat herumschlagen und seine Innovationen mit ihnen diskutieren. Ist der Nutzen zu gering oder steht er nicht in einem gesunden Verhältnis zum Invest, stirbt bei ihm das Projekt. Wenn nicht, wird es ohne Wenn und Aber und jenseits aller Bedenkenträger in die Wege geleitet und schließlich umgesetzt, als Chance für den Fortschritt in der Mobilität.

Die Geschichte gibt Musk recht. Es gäbe keine Eisenbahn, wenn damals bei der Idee „Wir bauen so ein Ding auf Schienen“ gleich die Probleme gewälzt worden wären, zum Beispiel: Wenn da ein Baum drauffällt, entgleist der Zug! Dann wäre das Thema erledigt gewesen, aus und vorbei.

Aber verstehen Sie mich bitte richtig: Ich will das urdeutsche Problemdenken gar nicht verteufeln. Es ist eminent wichtig, denn es bietet das Potenzial zur Verbesserung, wenn eine Innovation erst einmal implementiert wurde.

Step by step

Was ich an unserem deutschen Problemdenken durchaus schätze, ist, dass wir unsere Produkte immer wieder hinterfragen und verbessern. So bringen Sie eine Idee auf den Erfolgsweg, ohne dass der Kunde zum Produkttester gerät, der mögliche Fehler aufdecken muss. Zwar gehen manche Firmen strategisch und absichtlich so vor – der Kunde muss also das noch fehlerhafte Produkt ausbaden und das Unternehmen bessert dann im Nachgang gezielt die Mängel aus –, aber das steht auf einer anderen Karte.

Ein Innehalten in der Entwicklung im Sinne des deutschen Problemdenkens und Hinterfragens täte euch einem Elon Musk manchmal gut. Aber es darf eben nicht zum lähmenden Faktor werden. 

Die richtigen Schritte zur richtigen Zeit – das macht eine erfolgreiche Innovation aus und lässt sie blühen. Unserer Industrie würde es also gut zu Gesicht stehen, wenn sie zuerst frei denken und mögliche Chancen entschlossen ergreifen würde. Den Nutzen der Innovation in den Fokus stellen und positiv denken. Und dann erst – im zweiten Schritt – systematisch nach Problemen suchen und diese Herausforderungen unbeirrt und zuversichtlich anpacken und lösen.

Fortschritt ohne Schienen

Wenn Sie dieses Denken zugrunde legen, hätte auch die Entwicklung der Eisenbahn anders verlaufen können. Hätte schon damals jemand den Nutzen so definiert: „Wir bauen eine Möglichkeit, um die Leute rasend schnell quer durch Amerika zu transportieren“, dann hätte man ab da die Idee verbessern und das Produkt noch optimieren können.

Vielleicht liefe dann die Bahn schon lange nicht mehr auf Schienen, wenn man gleich im zweiten Schritt die Gefahr von Baumfall erkannt und berücksichtigt hätte. Aber andererseits auch gut, dass es nicht im ersten Schritt zur Sprache kam, sonst wäre das Transportmittel Eisenbahn – und alle mit ihm verbundenen Chancen – vielleicht frühzeitig verworfen und gar nie umgesetzt worden. 

Eine Chance für die Chance

Für die Ideenfindung, das Erkennen von Chancen und eine entschlossene Entscheidung ist Elon Musk also ein hervorragendes Vorbild: Ich sage darum niemals nein, wenn sich bei Design Tech und bei unserer Arbeit mit Kunden eine Chance auftut, die groß genug ist im Verhältnis zu Aufwand und Mühen. Und wenn der mögliche Nutzen mich überzeugt. 

Wenn unsere Industrie wieder so agiert, dann haben wir auch eine Chance: Und zwar die, auf dem Weltmarkt der Innovationen wieder eine Rolle zu spielen.

Keine Kommentare

Senden Sie einen Kommentar.