Studium? Ausbildung? Eigenverantwortung!

„Was? Niccolo bricht alle Vorbereitungen für sein Design-Studium ab!?“ – Als diese Nachricht bei mir ankam, war ich erstmal geschockt. Was sollte jetzt kommen? Mein Sohn wollte seinen Lehrberuf, das Malerhandwerk, wieder aufnehmen. Und dann?

Keine Frage: In Deutschland genießt ein Studium deutlich mehr Ansehen als eine Berufsausbildung – und weil das so ist, entscheiden sich schon seit den 1970er Jahren stetig mehr Schulabgänger für den Besuch einer Universität. Im Gegenzug klagen die Handelskammern mittlerweile über zu wenige Lehrlinge, Fachkräftemangel und eine „Überakademisierung“. 

Wie lösen wir das Problem?

Jürgen R. Schmid, Studium, Design Tech, Blog, Unternehmen, Ausbildung, Eigenverantwortung

Studium oder Ausbildung? Beides ist gut! Es ist immer das, was Sie daraus machen

 

Zielsicher im Nebeneinander

Immer wieder gibt es Vorschläge wie neulich von der CDU-Fraktion in Schleswig-Holstein: „Schulabgänger sollen duale und akademische Ausbildung als gleichwertige Alternativen verstehen“. Oder: „Ein Abschluss in der Handwerks-Lehre muss dringend aufgewertet werden“ – das ist gut gemeint, aber ich halte es für völligen Quatsch! Eine regulierte Wertschätzungsverordnung …

Wenn wir Ausbildung und Studium einfach „gleichsetzen“ und damit vorgaukeln, dass nun alle auf einer Ebene stehen, dann stimmt das nicht nur. Sondern: Es ist auch niemandem damit geholfen. Nein, wir brauchen weiterhin ein „Nebeneinander“ der beiden Wege. Viel wichtiger ist für jeden von uns die Frage: „Was ist für mich persönlich der beste Weg? Was ist meine Mission?“ 

Das hat mein Sohn schneller als ich erkannt. 

Der Körper sagt mehr als 1000 Worte

Niccolo war schnell klar, dass er etwas mit den Händen machen will. Er brach seine Studienvorbereitungen deshalb ohne innere Zweifel ab. Danach ging er seinen Weg konsequent weiter und wurde tatsächlich Maler. Dass mein Sohn „Anstreicher“ wird, war für mich anfangs durchaus schwierig. Sie wissen schon, diese Vorstellung: „Der Sohn soll etwas Vernünftiges machen. Studieren.“ 

Doch ich achtete jeden Morgen, wenn er das Haus verließ, auf seine Körpersprache. Und siehe da, mit aufrechter Haltung und entschlossenem Schritt schien Niccolo zufrieden zu sein mit seiner Entscheidung. 

Das hat bei mir zu einem Umdenken geführt.

Die innere Haltung schätzt den Wert

Nein, wir können den Schulabgängern nicht durch irgendwelche Bildungstitel und Gleichstellungen die Berufswahl abnehmen. Viel wichtiger ist, dass sie Eigenverantwortung übernehmen und für sich selbst entscheiden können, was passt. Dann entwickeln sie später eine innere Haltung zu dem, was sie machen. Und darauf kommt es an!  

„Als Maler bist du der letzte Arsch im Glied“ – sagte mein Nachbar damals. Heute ist Niccolo selbstständig und erfolgreich in seinem Spezialgebiet: fugenlose Oberflächen für Objekte und Wohnräume. Er bekommt dafür nicht nur von seinen Kunden Wertschätzung, sondern auch im gesamten Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis. Und vom Nachbarn. Studium hin oder her.

Warum? Einfach weil Niccolo etwas gefunden hat, das ihm Spaß macht.

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