Vom Sinn oder Unsinn ästhetischer Perfektion

Heute möchte ich Ihnen einen Blick hinter die Kulissen geben über einen ganz grundlegenden Aspekt unserer Arbeit: Wir feilen so lange am Maschinendesign eines Produkts, bis wir überzeugt davon sind, dass es auf dem Zielmarkt erfolgreich sein wird. Dies geschieht in der Überzeugung, dass unser Kunde – genau wie der Endkunde – das bestmögliche Produkt verdient. Denn erst durch die untrennbare Verbindung der „inneren und äußeren Werte“ einer Maschine entsteht der gewünschte, widerspruchsfreie Gesamteindruck und überzeugt beim Kauf und im Gebrauch.

Dabei kann ich Maschinenbauer gut verstehen, die unsere akribischen Bemühungen nicht immer nachvollziehen können und sie unter „Hobby des Industrial Designers“ verbuchen. Ich versichere Ihnen: Diese Feinarbeit ist nicht unser Hobby, sondern absolute Notwendigkeit. Anhand von Beispielen möchte ich diesen Aspekt aufzeigen.

 


Erfolg entsteht, wenn auch die Details präzise aufeinander abgestimmt sind.

 

Der Gesamteindruck – mehr als die Summe seiner Teile

Zur Veranschaulichung nehmen wir die Bewerbung eines neuen Mitarbeiters. Um ihn einschätzen zu können, achten wir automatisch und meist unbewusst auf den gesamtheitlichen Eindruck. Wir addieren viele Details: Gesichtsausdruck, Kleidung, Pünktlichkeit, Qualität der Vorbereitung und nicht zuletzt die Bewerbungsunterlagen. Unterbewusst fallen auch Stimme, Mimik und Gestik ins Gewicht.

Wir haben schließlich einen stimmigen oder widersprüchlichen Gesamteindruck und ziehen nur den „stimmigen“ Bewerber in die engere Wahl. Die Qualifikation und Erfahrungswerte sind dabei schlicht die Voraussetzung, um es überhaupt in die Einladungsrunde zu schaffen.

 

Auch beim Kauf eines Produkts geht es um alles oder nichts

Bei der Entscheidungsfindung zum Kauf eines Produkts setzt eine ähnliche Dynamik ein. Auch hier zählen alle Details. Ist die technische Funktion unzureichend, kommt die Maschine bei der Kaufentscheidung gar nicht erst in die engere Wahl. Bei den Favoriten hingegen sind andere Gesichtspunkte ausschlaggebend. Der Gesamteindruck muss insgesamt stimmig sein. Diese Summe aller Details muss dem Unterbewusstsein melden, dass keine Widersprüche wahrgenommen werden. Denn Widersprüche werfen im besten Falle unnötige Fragen auf. Im schlimmsten Falle zerstören sie Vertrauen und verhindern eine positive Kaufentscheidung.

 

Der Kunde bestraft Widersprüche höchst konsequent

Beispiel 1)

Sie bieten ein Produkt mit einer perfekten technologischen Lösung an, die natürlich ihren Preis hat. Jetzt ergreifen Sie alle Maßnahmen, um die Gesamtkosten im Zaum zu halten. Wenn Sie dann zum Beispiel bei der Entwicklung nicht ausreichend auf die Verarbeitungsqualität achten, entsteht schnell ein Widerspruch zu Ihrem Verkaufspreis. Der Kunde versteht dann nicht, dass er ein herausragendes Produkt bekommt. Schließlich haben Sie einen preiswerten Blechverarbeiter beauftragt, um die Kosten der Verkleidung so gering wie möglich zu halten. Nun führt diese Sparmaßnahme fast immer dazu, dass die Spaltmaße sichtbar ungenau sind. Für den Kunden zählt am Schluss aber nur: Ein hoher Preis braucht ein hochwertiges Produkt. Das verträgt keine Unstimmigkeiten. Den ganzheitlichen Qualitätsanspruch muss der Kunde bereits vor dem Kauf positiv wahrnehmen.

Beispiel 2)

Widersprüche können auch wie folgt aussehen: Sie haben keine saubere Lackierung oder sich für eine Farbe entschieden, die den aktuellen Sehgewohnheiten widerspricht. Oder aber die Designdetails erzeugen keine einheitliche Aussage. Ihr Kunde nimmt diese Widersprüche zwar meist nur unbewusst wahr, sie beeinflussen aber elementar seine Kaufentscheidung.

 

Überzeugen Sie Ihren Endkunden auf allen Ebenen

Wir bei Design Tech achten bei unseren Maschinendesign Lösungen immer präzise darauf, dass unser Kunde ein stimmiges Gesamtpaket vorfindet. Und wir können Ihnen versichern: Wir treffen unsere Entscheidungen in keiner Weise zugunsten unserer eigenen ästhetischen oder handwerklichen Vorlieben. Auch treibt uns bei der Arbeit am Produkt unserer Kunden nicht der Ehrgeiz, am Ende einen Design Award zu kassieren. Es geht uns einzig und allein um die schnelle Akzeptanz beim Kunden.

 

Exzellenz auf allen Produktionsebenen

Bei einer innovativen und hochpreisigen Anlage beispielsweise achten wir darauf, dass keine Schrauben und Scharniere sichtbar sind, auch wenn eine solche Lösung meist eine Herausforderung für den Designer und Entwickler darstellt. Bei der Auswahl des Türgriffs kann es sich konsequenterweise auch nicht um ein Zulieferteil für zwei Euro handeln; und der Tragarm für die Bedieneinheit kann entsprechend keine Katalogware sein. Die Schiebetüre muss sich geschmeidig bewegen lassen und die Gehäusetrennungen können nicht willkürlich durch die Flächen laufen. Außerdem brauchen sie eine bewusst gewählte Proportion, sollte die technische Umsetzung auch noch so problematisch sein.

Natürlich dürfen durch solche Maßnahmen weder Funktionalität, Zugänglichkeit noch andere Anwenderfunktionen beeinträchtigt werden. Das hält uns aber nicht davon ab, uns immer bis zur optimalen Problemlösung durchzubeißen.

 

Wir müssen unser Anliegen klar kommunizieren

Wenn wir unsere Absichten nicht verständlich und nachvollziehbar gemacht haben, wirken solche Aufgaben für die meisten Ingenieure sehr widersprüchlich und unsinnig. Doch nach getaner Arbeit und bei der anschließenden Produktvorstellung beim Endkunden erleben wir immer wieder dasselbe: Eine ausgesprochen und unerwartet hohe Marktakzeptanz.

 

Verzeihen Sie unsere Beharrlichkeit

Wenn wir auch bei Ihnen hartnäckig unsere Themen vertreten, hat das also niemals mit unserem persönlichen Geschmack zu tun. Vertrauen Sie unserer Erfahrung, durch scheinbar unbedeutende Äußerlichkeiten die inneren Werte und den geforderten Marktpreis optimal sicht- und erlebbar zu machen.

Eine solche Vorgehensweise zahlt sich nicht nur beim Industrial Design aus. Oftmals habe ich beobachtet, wie sich Menschen selbst das Leben schwer machten und ihre Erfolgsaussichten beeinträchtigten, indem sie einen oder mehrere Bereiche ihres Gesamteindrucks vernachlässigten. Sie hinterlassen immer einen ersten Eindruck, der den Fortgang der Gespräche oder Beziehungen wesentlich beeinflusst. Ein Eindruck, der Türen öffnet – oder auch schließt.

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Weblinks:
www.designtech.eu
www.maschine2020.de
www.werkzeugderzukunft.de

 


 

In meinem Buch „Standard ist tödlich“ habe ich diesen Aspekt näher betrachtet.


ISBN 978-3-947572-01-4

 


NEUES DATENSCHUTZRECHT

Sagen Sie JA!

Am 25. Mai 2018 tritt die neue EU Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft. Damit Sie auch zukünftig die Essays von Jürgen R. Schmid bekommen, benötigen wir Ihre Einwilligung.

Wenn Sie nicht damit einverstanden sind, dass Ihre personenbezogenen Daten gespeichert, verarbeitet und genutzt werden, um Ihnen per Post, E-Mail oder Telefon Informationen über Design Tech zukommen zu lassen, dann klicken Sie bitte auf NEIN.

Keine Kommentare

Senden Sie einen Kommentar.