Von der Bedrohung durch neue Ideen

Viele Menschen stehen neuen Ideen äußerst skeptisch gegenüber, weil sie sich davon bedroht fühlen. Diese Skepsis richtet sich nicht gegen die Idee selbst. Vielmehr steht die Angst dahinter, dass sie sie aus ihrer Komfortzone reißen könnte. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bereits die Präsentation einer neuen Idee den Widerstand provoziert und zu emotionalen Diskussionen führt. Sicher ist allerdings, dass die Umsetzung herausragender Ideen für alle Beteiligten sehr schmerzhaft ist. Warum?


Die Angst vor neuen Ideen und Veränderungen

 

Kleine Änderungen – großer Widerstand

Bereits kleine Änderungen können ungeahnten Widerstand hervorrufen. Als wir bei Industrial Design-Prozessen vor vielen Jahren strukturierte Gesprächsprotokolle eingeführt haben, wollten einige unserer damaligen Mitarbeiter vordergründig den Sinn des Aufwands nicht verstehen. Eine Mitarbeiterin hatte zu einer Besprechung nicht einmal einen Schreibstift mitgenommen. Es kam so weit, dass wir die Einhaltung unserer neuen Gesprächsstrategie regelrecht kontrollieren mussten. Dies wiederum führte zu enormem Unmut im Team.

 

Aktentaschen statt Plastiktüten

Auch als wir vor Jahren einen immerhin doch recht liberalen Design Tech-Dresscode bei Kundenbesuchen einführten – Sakko statt Kapuzen-T-Shirt – sowie die Verwendung anständiger Aktentaschen statt Plastiktüten, war dies eine riesige Kraftanstrengung. Heute kann sich das bei Design Tech niemand mehr vorstellen und Sie finden diese Anekdote im besten Falle amüsant. Doch dieser Gesinnungswandel kostete uns viel Energie.

 

Eine Strategie spaltet das Team

Das folgende dramatische Beispiel, das sich vor vielen Jahren ereignete, beschreibt die Komfortzonen-Dynamik besonders anschaulich: Lange Zeit zuvor schon hatte ich persönlich mit der Design to success-Strategie gearbeitet und hatte bereits große Projekterfolge mit dieser Methodik vorzuweisen. Auch war ich mir sicher, dass jeder meiner Designer von diesem ausgefeilten Werkzeug enorm profitieren und zusätzlich noch mehr Spaß an der Arbeit haben würde, denn diese Innovationsstrategie konnte – neben vielen anderen Vorzügen – auch zusätzliche Freiräume für Kreativität schaffen.

 

Ich hatte die Dynamik unterschätzt

Doch weit gefehlt! Welten lagen zwischen meiner Einschätzung und der meiner Industrial Designer. Viele sahen sich in ihren Freiräumen eingeschränkt. Auch bedrohte sie, dass ihre Arbeit und Ideen jetzt bewertbar sein würden und nicht mehr beliebig. Da die einzelnen Schritte nun festgelegt waren und nach Vorlage eingehalten werden sollten, konnte zwar zuverlässig unsere Ergebnisqualität sichergestellt werden. Wichtige Mitarbeiter fühlten sich aber in ihren persönlichen Freiräumen und ihrer kreativen Entfaltung bedroht. Kurz: Es war mir nicht gelungen, ihnen den Nutzen der Strategie zu vermitteln.

 

Denkweisen und Verhalten zu ändern tut immer weh

Erst später wurde mir klar, welche enorme Veränderungsbereitschaft ich von meinem Team verlangt hatte: Die Komfortzone ihrer bisherigen Arbeitsabläufe zu verlassen, dafür zielgenau zu arbeiten und die Ergebnisse auch noch messen zu lassen. Ein solcher Anspruch ist in der kreativen Branche vollständig neu und unbekannt. Diese Arbeitsweise ist verpönt.

 

Herber Rückschlag – viele Designer verließen uns
Vom Rückschlag zum Durchbruch

Es war mir in meinem damaligen Team nicht gelungen, die Design to success -Methode zu etablieren. Nach einem definierten Einführungszeitraum der Strategie vergingen keine zwölf Monate und unser Team war ein anderes. Ein harter Schlag! Da war einerseits der menschliche Verlust. Andererseits verließen uns mit den Designern auch insgesamt 24 Jahre geballter Design Tech -Erfahrung. Nur jene Designer blieben uns treu, die in der Lage und willens waren, ihre Komfortzone zu verlassen und sich auf diese neue Denk- und Arbeitsweise einzulassen. Und die natürlich großen Spaß an Maschinendesign hatten.

 

Die Kraft des Teams

Nur wenige Monate danach hatten wir eine vollkommen andere Teamsituation. Jeder Mitarbeiter war und ist auch heute vom Nutzen der Design to Success-Strategie überzeugt. Ich kann diese Überzeugung vor allem daran erkennen, dass die Teams die kontinuierlichen Weiterentwicklungs- und Verbesserungsvorschläge heute selbst mit vorantreiben. Jeder von uns hat bemerkt, welche Kraft von der konsequenten Anwendung der Innovationsstrategie ausgeht.

 

Der Wandel hat sich gelohnt

Auch wenn es heute kaum mehr vorstellbar ist, wie viel Energie es uns vor Jahren gekostet hat, die längst im Team fest etablierte Design to success-Strategie einzuführen und konsequent zu verfolgen, – es hat sich gelohnt! Für Design Tech und unsere Auftraggeber.

Ihnen wünsche ich viel Erfolg und Energie im Umgang mit Ihrem Team und Ihren Ideen, Reformen und notwendigen Veränderungen.
Und denken Sie daran, auch Sie und ich vermeiden es gerne, die Komfortzone zu verlassen.

 

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Weblinks:
www.designtech.eu
www.maschine2020.de
www.werkzeugderzukunft.de

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