Was ist für Sie Erfolg?

Wenn ich mit Unternehmern und Managern darüber spreche, was für sie Erfolg ist und was sie darunter verstehen, dann höre ich zuallererst: „Umsätze.“ Dann frage ich nach: „Und was noch?“ Dann kommt: „Mehr Verkaufszahlen.“ 

„Und was noch?“ „Gewinne.“

„Und was noch?“ Jetzt wird es schwieriger. Vereinzelt kommt dann vielleicht noch: „Ziele erreichen.“ Danach ist fast immer Schluss. Und ich höre: „Was meinen Sie mit Ihrer Frage, Herr Schmid?“

Jürgen R. Schmid, Erfolg, Maschinenbau, Mittelstand, Design, Design Tech

Tödliches Mittelmaß

Es ist die Pflicht eines Unternehmers, mehr Umsatz zu machen und Gewinne zu erwirtschaften, das ist schon richtig. Denn die Gewinne sind wichtig für zukünftige Investitionen, Gewinne sind die Luft zum Atmen. Wer im globalen Wettbewerb eine Rolle spielen will, der muss sein ganzes Unternehmen in Bestzustand bringen und halten und dazu muss das Unternehmen Gewinn erwirtschaften.

Ich habe festgestellt, dass die Ebene des „höher, schneller, weiter“ einer Denkweise des Hier und Jetzt, des Augenblicks entspringt.

Ich nenne das das Feldhasenprinzip. Jedem Impuls zu folgen. Jedem Trend hinterherzulaufen. Jede neue Nachricht, jede Meinung verändert die eingeschlagene Richtung.

Denken Sie nur an bekannte Beispiele: VW folgt dem Druck der Öffentlichkeit und den Klimaaktivisten und setzt zu 100 % auf die Elektromobilität, ohne wirklich zu wissen, ob das die Zukunft ist.

Angela Merkel verabschiedet sich nach Fukushima kurzentschlossen von der Kernenergie – das sind Feldhasen-Entscheidungen. So entscheiden Menschen ohne eine klare Vorstellung von Zukunft.

Die Feldhasen-Denkweise bringt nichts als Mittelmaß hervor. Und Mittelmaß ist oft genug tödlich.

Bild und Realität

Denn Mittelmaß führt zu niedrigen und noch niedrigeren Preisen und damit zu weniger Gewinn. Das ist kein gutes Konzept. Wer auch übermorgen Marktführer sein will, der muss einzigartig sein. Denn es gibt immer jemanden, der noch höher springt. Die pure Menge macht es nicht aus, um Ihr Unternehmen zukunftsfähig zu machen.

Der Unternehmer, der die Zukunft im Blick hat, der hat ein klares Bild vor Augen. Er hat ein Bild davon, wie sein Unternehmen einmal sein wird, wie er die Strategie ausrichten will, um auf Veränderungen vorbereitet zu sein. Wie er die Veränderungen selbst beeinflussen und mitgestalten will. Erst mit einer klaren Vorstellung, wie sein Unternehmen sein soll, versetzt er sich in die Lage, die Abweichungen zwischen dem Bild und der aktuellen Realität zu identifizieren.

Und kann beginnen, konstruktiv am Unternehmen zu arbeiten, um seinem Ideal Schritt für Schritt näherzukommen. Zum einen durch eine durchdachte und messerscharfe Vorstellung und eine passende Strategie, zum anderen durch konkrete Maßnahmen.

Bis hierher ist es noch einfach …

Diese Voraussetzung schafft die Grundlage für  schnelle Entscheidungen und schnelle Handlungen, denn er hat sein Bild immer vor Augen und weiß, wie er auf Veränderungen reagieren und ggf. nachjustieren muss, um seinen Vorstellungen näherzukommen.

Bis hierher ist es noch einfach. Und ich kenne einige Unternehmen, die so weit gekommen sind, aber in den konkreten Schritten an ihre Grenzen kommen. Es geht um die Umsetzung. Das ist wie mit Ideen. Die Idee zu entwickeln, ist für geübte kein Hexenwerk. Sie in die Umsetzung zu bringen, ist eine andere Liga.

Dazu braucht es Mut und Handlungsaktivität, um das, was Sie für richtig halten, auch wirklich zu tun und für die Ergebnisse die Verantwortung zu übernehmen. Dazu braucht es Durchhaltevermögen. Auch dann an der Richtung und am Anspruch der eigenen Vorstellungen festzuhalten, wenn große Probleme auftreten. Auch dann, wenn die Herausforderungen scheinbar unlösbar sind. Daran sehe ich viele herausragende Vorhaben scheitern. Der Anspruch wird soweit gesenkt, bis das gewohnte Mittelmaß erreicht ist.

Die letzte Zutat

Es braucht deshalb noch Disziplin. Sich am einmal definierten Bild unbeirrt zu orientieren, auch wenn kein Unterstützer mehr zu sehen ist. Wenn alle anderen auf den Zug des Mainstreams aufspringen. Dann immer noch der eigenen Überzeugung zu folgen. Sicher, sie werden jetzt sagen, dass sich die Welt verändert, da kann man nicht an Überzeugungen festhalten. Da sind wir auf einer Linie.

Dennoch ist jeder gut beraten, nicht jeder Sau hinterherzulaufen, die durchs Dorf getrieben wird. Da halte ich es wie Warren Buffet: Hat man in ein gutes Unternehmen erst einmal investiert, verkauft man auch dann nicht, wenn der Markt nach unten sackt. Genauso ist es mit dem Erfolg.

Rendite UND Erfolg

Rendite gibt es dann, wenn nach einer sorgfältigen Vorbereitung auch die Konsequenz in der Umsetzung allgegenwärtig ist.

Ich habe Firmen gesehen, die in Innovationen riesige Summen investiert haben und bei rückläufigem Markt, wenn viele Unternehmen ihre Aktivitäten einfroren‚ unbeirrt , hartnäckig, mit höchster Dringlichkeit und mit Zuversicht an der Umsetzung ihrer Vorstellungen gearbeitet haben. Am Ende waren sie die Sieger. Diese Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht an der Gewinnmaximierung arbeiten, also nicht am traditionellen Verständnis von Erfolg, sondern mit bemerkenswerter Dringlichkeit an ihrem individuellen, einzigartigen Bild, das sie von ihrem Unternehmen haben.

Das ist Erfolg, wenn Sie in der Lage sind, selbst die Richtung zu bestimmen und das zu tun, was Sie für richtig halten, um die gewünschten Ergebnisse zu erreichen.

Genauso geht es auch mir bei Design Tech mit unseren Kundenprojekten. Das gewünschte Bild, die geforderten Ergebnisse fest im Blick, folge ich dem, was ich für richtig halte.

Meine Überzeugungen hinterfrage ich nicht bei offenem Herzen, also am laufenden Projekt, sondern das ist eine Aufgabe, die auf einer Metaebene ständig und kontinuierlich ansteht. Völlig unabhängig von einem laufenden Projekt.

2 Kommentare
  • Walter Kraus
    Veröffentlicht um 00:07h, 29 November Antworten

    „…eigene Vorstellungen“, „…unbeirrt, hartnäckig mit höchster Dringlichkeit und Zuversicht an der Umsetzung ihrer Vorstellungen…“, „…mit bemerkenswerter Dringlichkeit an ihrem individuellen, einzigartigen Bild, das sie von ihrem Unternehmen haben.“, „…das gewünschte Bild, die geforderten Ergebnisse fest im Blick…“
    Ich denke, das kann man alles unter dem Begriff „Unternehmensvision“ zusammenfassen. Dieser „Leitstern“ leuchtet auf der von Ihnen erwähnten „Metaebene“ und dient der Orientierung – unabhängig vom Produkt oder Projekt, unabhängig vom Markt, vom Kunden und der aktuellen wirtschaftlichen Lage.
    Vielen Dank, Herr Schmid, für Ihren Newsletter!
    Mit herzlichem Gruß
    Walter Kraus

  • Susanne Gall
    Veröffentlicht um 09:27h, 05 Dezember Antworten

    Wie mein Vorredner, kann ich gut dem Bild vom Stern auf der Meta-Ebene folgen. Ein sehr guter Impuls, Veränderungen & Verbesserungen dort kontinuierlich zu verfolgen.

    Nicht so ganz einig gehe ich mit der Verknüpfung des „Hier und Jetzt“ mit dem Feldhasenprinzip. Das „Hier und Jetzt“ ist vom Denken unabhängig. Bei wichtigen mentalen Trainingsmethoden ist es eine Grundlage. Das Feldhasenprinzip ist das von Kahnemann beschriebene „schnelle Denken“, das sich nie mit dem „Hier und Jetzt“ befasst, sondern meistens mit einer nicht gut durchdachten Zukunft.

    Übrigens: Das „langsame Denken“ ist in der Gruppe besser als bei Einzelnen Personen.

    Viele Grüße
    Susanne Gall

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