Wie bisher, nur anders

Neven Subotić,  Profi-Fußballer und ehemals Führungsspieler beim Bundesligisten BVB hat eine Stiftung ins Leben gerufen. Mit seiner Neven Subotić -Stiftung baut er Brunnen und sorgt für eine Verbesserung der Wasserversorgung der Menschen in Äthiopien. In einem Gespräch beim Club 55 hat er berichtet, dass viele Menschen in Äthiopien täglich etwa 6 Stunden  damit beschäftigt sind, den Tagesverbrauch an Wasser zu besorgen. Für Industrienationen unvorstellbar: 1/4 des Tages damit zu verbringen, nur um die Tagesration an Wasser zu organisieren.


Leuchtende Augen

 

Wo bleibt die Zeit?

Wie verbringen wir unsere Lebenszeit? Was tun wir jeden Tag, um unsere Grundversorgung zu erreichen? Dazu habe ich mir die Frage gestellt, was eigentlich meine ganz persönliche Grundversorgung ist. Um meinen täglichen Wasserbedarf mache mich mir wenig Gedanken. Es dauert nur Sekunden. Hahn auf, Dusche an, die WC-Spültaste drücken. Fertig. Obwohl ich sechs Stunden einspare, ist meine verfügbare Zeit eine knappe Ressource.
Beim genauen Betrachten meines Tagesablaufs ist mir aufgefallen, dass meine Zeit an anderer Stelle auf der Strecke bleibt. Damit meine ich nicht nur die Staus auf den Straßen. Wenn ich die Aufwendungen für die Buchhaltung,  für den Steuerberater, Steuererklärungen, Lohnsteuer, Formulare, Anfragen der Ämter und darüber hinaus alle möglichen Versicherungsangelegenheiten, Datenschutz, und vieles mehr in Betracht ziehe, kommen sehr, sehr viele Stunden zusammen.

Unterschätzte Zivilisationskrankheit

Ich habe keine exakte Berechnung angestellt. Gefühlt sind es jeden Tag einige Stunden, die ich mit Regularien und anderen unproduktiven Normen, Richtlinien und Vorschriften beschäftigt bin oder dafür arbeite, dass ich die externe und firmeninterne Unterstützung bezahlen kann. Auch die Steuereinnahmen des Staates werden in einer beachtlichen Größenordnung dafür eingesetzt, Menschen zu bezahlen, die für diese künstlich erzeugten Regularien tätig sind. Erst wenn das Bürokratiemonster befriedigt ist, beginne ich produktiv zu werden. Diese Situation durchflutet Gesellschaft und Wirtschaft bis hinein in die Familien. Jetzt sagen Sie vielleicht, dass meine Betrachtung nicht ganz falsch, aber doch stark übertrieben ist.

Jeder ist davon betroffen

Eines weiß ich ganz genau, nämlich dass mein kleines Unternehmen Design Tech neben der externen Hilfe einen Mitarbeiter beschäftigt, um mir einen Großteil dieser Tätigkeiten abzunehmen und mir vom Hals zu halten. Ich arbeite dafür, um die Erträge zu erwirtschaften, um diese Aufwendungen zu bezahlen.
Neben der staatlichen Bürokratie schaffen wir zusätzlich in kleineren und besonders in großen Unternehmen Unmengen von weiteren Vorschriften.

Auf den Punkt bringen

Meine These ist es, dass wir mit diesen bürokratischen Maßnahmen Komplexität erzeugen und unsere Organisation überregulieren, um ganz sicher zu gehen, dass alles gerecht, unangreifbar, planmäßig und sicher von statten geht und weil es einfach ist, politisch unterschiedliche Positionen mit Kompromissen zu lösen die wieder neue, zusätzliche Komplexität in das System speisen.

Wettbewerbsfähigkeit steigern

Ich stelle mir vor, wie wir unsere globale Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern könnten und unsere produktive Zeit verdoppeln, in dem wir einige Abläufe, Regeln und Vorschriften auf den Punkt bringen und vereinfachen, einen Großteil als veraltet und überflüssig komplett streichen und unser System für jeden effizient handhabbar machen. Dann brauchen wir keine speziell ausgebildeten Experten um Formulare auszufüllen, Steuererklärungen zu machen, die Richtigkeit von Behördenentscheidungen zu überprüfen und Meinungsverschiedenheiten mit anderen Experten vor Gericht auszutragen, um dann einen Kompromiss einzugehen, der neue Regeln hervorbringt, um auch diesen Ausnahmefall zukünftig zu regeln. Mit einer Überregulierung verlieren wir Geld, reduzieren unsere Produktivität, verschlechtern die globale Wettbewerbsfähigkeit und ganz besonders vergeuden wir Lebenszeit.

Reduziert auf das Wesentliche

Komplexe Regeln, Vorschriften, Formulare bringen uns kein besseres Leben. Genau genommen sind wir in diesem Punkt bestenfalls so weit wie die Menschen in Äthiopien.
6 Stunden Wasser holen oder 6 Stunden Bürokratiemonster befriedigen. Wenn ich in die Gesichter der Menschen am Brunnen in Äthiopien schaue, sehe ich leuchtende Augen, wenn das Wasser nicht mehr aufwändig organisiert werden muss, sondern einfach aus einem Wasserhahn kommt. Mit schlanker Bürokratie hätte mancher von uns vielleicht auch dieses Leuchten, das ich viel zu selten sehe.

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Weblinks:
www.designtech.eu
www.maschine2020.de
www.werkzeugderzukunft.de

 


 

In meinem Buch „Standard ist tödlich“ habe ich diesen Aspekt näher betrachtet.


ISBN 978-3-947572-01-4

 


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