Wie Sie durch Zögern ganz sicher scheitern

Zögern in unserer Unternehmenslandschaft mittlerweile zu einer Art Trend geworden. Und das hat einen Grund: die Liebe zum Perfektionismus.

Die meisten Unternehmen streben danach, ihr Produkt gleich makellos auf den Markt zu bringen – doch das mündet nicht unweigerlich in einer Erfolgsgeschichte. Denn durch ihren langen Entwicklungsprozess lassen sie unbewusst ihrer Konkurrenz den Vortritt, schließlich beginnt der Alterungsprozess einer Idee doch unmittelbar mit ihrer Geburt.

 


Vom Zögern zum Agieren

 

Sicher ist sicher

Der Drang zum Perfektionismus begegnet mir in der Industrie und in vielen Designbereichen. Im Prinzip geht es darum, mit dem Produkt Verantwortung zu übernehmen und ein Gefühl von Sicherheit zu erzeugen. Die Erfüllung dieser Bedürfnisse nimmt aktuell die höchste Priorität ein, obwohl die Vergangenheit uns gezeigt hat, dass Zaudern und Zögern sich als große Nachteile erweisen können.

Das zeigte sich zum Beispiel im Bereich Mobilfunk: Apple ist mit seinem iPhone unperfekt gestartet – und ist heute ein Big Player auf dem Mobilfunkmarkt.

Der Punkt ist doch: Die Apfel-Leute sind gestartet, haben sich der Welt und ihren Kunden präsentiert mit der Einzigartigkeit ihres neuen Produkts. Fehler – okay, die gab es natürlich, aber die wurden einfach mit der neusten Version eliminiert – unter Einbeziehung der Nutzer. Das stärkte die Marke nur noch mehr in den Augen der Nutzer. Während die Zauderer und Zögerer unter den Mobilfunkanbietern auf der Strecke blieben.

Aber nicht nur in der Industrie, sondern auch in der Politik finden Sie große Zögerer …

 

Mobilität oder Stillstand?

Schauen Sie doch mal auf den aktuellen Trend zum Thema E-Mobilität: die E-Tretroller. Eine unendliche Debatte um deren Nutzung rollte sich da aus – und verzögerte ihre Einführung komplett. Wie schnell dürfen Sie damit fahren? Welche Wege dürfen Sie benutzen? Radwege, Fußwege oder die Straße? Wo dürfen die Roller abgestellt werden? Fragen über Fragen, die zu großen Kontroversen führten.

Wir wollen bei jedem Thema schon im Vorfeld alle Eventualitäten abgesichert haben. Und jeder hat ein Wörtchen mitzureden: Politiker, Firmen, Naturschützer, Passanten – mich würde nicht wundern, wenn auch noch die Wühlmäuse am Wegesrand zu ihrer Meinung befragt würden.

Und was ist die Konsequenz?

 

Vom Zögern zum Agieren

Die Konsequenz ist wie so oft: Stillstand! Denn so kommen wir wirtschaftlich nicht weiter. Deshalb ist mein Grundsatz und Lebensmotto: Lieber unperfekt starten, als perfekt zögern!

Ohne diesen Grundsatz hätte ich mich nie selbstständig gemacht. Und ich bin nach wie vor fest davon überzeugt: In dem Moment, in dem Sie eine Entscheidung treffen, ist sie auch richtig. Und trotzdem kann das im Rückblick ganz anders aussehen – nicht etwa, weil die Entscheidung von Anfang an falsch war, sondern weil sich das Themenumfeld verändert hat.

Auch in meiner Firma Design Tech agieren wir in der Produktentwicklung so: Wir erzeugen ein Setup – das ist unser Startpunkt. Und dann geht das Produkt auf den Markt. Je nach Erkenntnis und Markt-Feedback justieren wir nach, machen das Produkt Schritt für Schritt immer besser. So schlagen wir drei Fliegen mit einer Klappe: Wir sind schnell, innovativ und entwickeln das perfekte Produkt!

 

Ihr Jürgen R. Schmid

Weblinks:
www.designtech.eu
www.maschine2020.de
www.werkzeugderzukunft.de


In meinem Buch „Standard ist tödlich“ habe ich diesen Aspekt näher betrachtet.


ISBN 978-3-947572-01-4

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